von Nonn Panitvong
„Downoi“ ist ein thailändisches Wort, das „Kleiner Stern“ bedeutet. Diese auch mit dem nüchternen wissenschaftlichen Namen Pogostemon helferi bezeichnete Pflanze ist vor gut zehn Jahren von Nonn Panitvong entdeckt worden. Er berichtet hier, wie aus seinem Fund eine weltweit bekannte Aquarienpflanze geworden ist.

Die Stängel des Kleinen Sterns wachsen über die Wasseroberfläche hinaus.
Foto: N. Panitvong
Um 1996 bemerkte ich Downoi, den wunderschönen Kleinen Stern, zum ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt begann man in Thailand gerade, bepflanzte Aquarien einzurichten. Für uns Aquarianer gab es daher nur eine sehr beschränkte Auswahl an geeigneten Pflanzen. Ich kann mich an einige Cryptocoryne, Anubias, Echinodorus, Crinum thaianum, Vallisneria sowie ein paar Stängelpflanzen erinnern.
Dann wurden wir durch Amanos Bücher über „Naturaquarien“ weiter frustriert, da wir in ihnen viele faszinierende Aquarienpflanzen fanden, von denen wir noch nie gehört hatten. Zu diesem Zeitpunkt versuchte ich mich davon abzulenken, indem ich mich nach einheimischen Pflanzen für das Aquarium umsah.

Blühende Downoi-Bestände im natürlichen Lebensraum.
Foto: N. Panitvong
Die Pflanze am Kwai
Sangklaburi ist der Name eines kleinen Orts in der Provinz Kanchanaburi im westlichsten Teil von Thailand nahe der Grenze zu Myanmar. Hier beginnt der berühmte Fluss Khwae – der gleiche wie in dem Film „Die Brücke am Kwai“ – seine Reise zum Meer. Mein Vater, ein begeisterter Sportangler, hatte mich an diesen Ort gebracht, seit ich ein kleines Kind war. Wir verliebten uns sofort in diese Gegend und nach einigen Besuchen kauften wir ein Haus an dem dortigen See. Ungefähr 20 Jahre lang haben wir den Ort regelmäßig besucht.
Als ich dann meine Suche nach Aquarienpflanzen startete, begann ich in Sangklaburi. Und hier fand ich auch zuerst die kleine Wasserpflanze, die in Felsspalten in der Mitte des Flusses wuchs. Dieser Fluss war etwa 10 m breit. Beim höchsten Wasserstand in der Regenzeit war die gesamte Population der Pflanze überflutet. Während dieser Zeit bekommen die Pflanzen kurze und kompakte Stängel und die Blätter werden groß und fest. Mit der Trockenzeit tauchen sie wieder auf, strecken den Stängel mit den Knospen aus dem Wasser und beginnen zu blühen.
Während dieser Zeit werden die Blätter kürzer und kleiner. Zur trockensten Zeit verkleinern sie sich noch mehr und die Stängel werden so dünn, dass sie sich nicht mehr aufrecht halten können. Der Kleine Stern sieht zu dieser Zeit wie eine auf dem Fels kriechende Pflanze aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Aquarianer, die an die untergetauchte Form gewöhnt sind, die Pflanze zu dieser Jahreszeit nicht mehr erkennen würden.
Bei meiner ersten Begegnung sammelte ich ein paar Downoi-Stängel und nahm sie für mein Aquarium mit. Während ich mich mit der Kultur der Pflanze beschäftigte, versuchte ich sie anhand aller Aquarienpflanzenbücher zu bestimmen, die ich finden konnte. Doch ich konnte sie keiner Art zuordnen, noch nicht einmal einer passenden Gattung. Es war frustrierend, doch die Schönheit der Pflanze entschädigte mich mehr als genug für ihren anonymen Status.

Über Wasser bildet die Pflanze fleischige Stängel aus.
Foto: N. Panitvong
Downoi-Superstar
Die Suche nach dem Namen der mysteriösen Pflanze musste ich einige Jahre lang unterbrechen, da ich mich von 1999 bis 2003 zum Studium in den USA aufhielt. Als ich dann 2003 zurückkam, stand der Aquarienpflanzenhandel in Thailand in voller Blüte. Es wurden alle möglichen Arten importierter Aquarienpflanzen angeboten. Doch unter allen diesen ausländischen Pflanzen leuchtete die einheimische Downoi wie ein kleiner Stern.
Madha Halutaitawon hatte der kleinen Pflanze zu ihrem Superstar-Status verholfen. Bevor ich in die USA reiste, hatte ich meine Pflanzen an viele Freunde verteilt, und Madha hatte einige Stängel von einem unserer gemeinsamen Freunde bekommen. Dann schrieb er 2001 das allererste – und wahrscheinlich immer noch das beste – Handbuch über Pflanzenaquarien in thailändischer Sprache und auf dem Titel befand sich mein Kleiner Stern in voller Pracht.
Ein Freund erzählte mir, dass nach der Veröffentlichung des Buchs jeder unbedingt Downoi kaufen wollte. Doch das Angebot war sehr klein und der Preis stieg in astronomische Höhen. Das höchste, was ich gehört habe, war 1500 Baht (über 30,– € für einen Stängel – einen kurzen! Das war das Zehnfache des Mindestlohns pro Tag, den ein durchschnittlicher Arbeiter in Bangkok verdiente.

Unterwasseraufnahme im natürlichen Lebensraum. Foto: N. Panitvong
Das Rätsel um den Namen
Doch immer noch ließ mir die Identität von Downoi keine Ruhe. Wir wussten bis dahin immer noch nicht, welcher Gattung die Pflanze zuzuordnen war. Dann bekam ich über das Internet Kontakt zu Arthit Prasartkul, einem jungen, sehr an Wasserpflanzen interessierten Mann. Er ist auf Cryptocoryne-Arten spezialisiert und war sehr aufgeregt, dass Prof. Neil Jacobsen, einer der anerkannten Cryptocoryne-Kenner und ein Experte in Bezug auf tropische Wasserpflanzen, nach Thailand kommen würde.
Wir luden den Professor zu einem Abendessen in Arthits Haus ein und danach zeigte ihm Arthit seine Wasserpflanzensammlung. Als er den Kleinen Stern sah, war Prof. Jacobsen sehr interessiert, da er ebenfalls die Gattung nicht bestimmen konnte. Er erklärte uns, dass er die Blüte sehen müsse, doch da wir Downoi unter Wasser pflegten, war natürlich keine Blüte zu beobachten. Und die Identität der Pflanze war immer noch ein Rätsel.
Ein Jahr später schrieb uns Prof. Jacobsen eine Mail, dass er wieder nach Thailand komme und sich den Lebenraum von Downoi ansehen möchte. Das war zu Beginn der Trockenzeit, wenn der Kleine Stern blüht. So vereinbarten wir die Fahrt und hofften, das Rätsel zu lösen. An einem Wochenende im Dezember 2002 fuhren wir fünf Stunden lang nach Sangklaburi und verloren keine Zeit, Prof. Jacobsen den Lebensraum von Downoi zu zeigen. Der Kleine Stern blühte und wir konnten genug Pflanzen zur Bestimmung sammeln. Nachdem er die Blüten und Samenkapseln untersucht hatte, konnte er sagen, dass Downoi zu den Lippenblütlern und zur – damaligen – Gattung Eusteralis gehöre.
Zwei Monate später hörte ich wieder etwas von Prof. Jacobsen. Er warin den botanischen Gärten von Kew in England gewesen und hatte dort Herbarmaterial gefunden, das zu den von uns gesammelten Downoi passte. Es handelte sich um im Jahr 1973 im südlichen Myanmar gesammeltes Material, und der Name der Pflanze war Eusteralis helferi. Später stellte sich heraus, dass Eusteralis ein Synonym von Pogostemon ist, so dass der wissenschaftliche Name des Kleinen Sterns nun Pogostemon helferi lautet.

Man kann den Kleinen Stern im Aquarium in Gruppen pflanzen, …
Foto: H.-G. Evers

… doch am schönsten wirken die Pflanzen in wenigen, Akzente setzenden Exemplaren.
Foto: O. Knott
Die natürliche Verbreitung
Bis zum Jahr 2004 schien es, dass Downoi sehr selten sei. Die einzige bekannte Population wuchs in Felsspalten auf einer Strecke von etwa 100 m einen Bach entlang.
Es handelte sich vermutlich um weniger als 100 Pflanzen. Eine habgierige Person hätte die ganze zu diesem Zeitpunkt bekannte wilde Population in weniger als einer Stunde vernichten können.
Allerdings führten weitere, 2005 vorgenommene Nachforschungen des von mir geführten Siamensis.org-Teams zur Entdeckung einer großen Population viel weiter flussaufwärts. Sie befand sich im Tungyai-Huay-Kakeang-Schutzgebiet, das zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. Noch größere Populationen sind später im Suriya-Fluss entdeckt worden, einem der im Jahr 2006 am schwierigsten zugänglichen Flüsse in Thailand. Nun kann ich behaupten, dass Downoi in der Natur sicher ist und dass der Kleine Stern in seinem natürlichen Lebensraum wachsen wird, solange der Fluss existiert.
In den letzten Jahren rückte die weltweite Gemeinschaft der Aquarienpflanzenfreunde immer näher zusammen, so wie die Welt durch das Internet kleiner wurde.
Aus seinem Heimatland Thailand hat sich der Kleine Stern innerhalb weniger Jahre über die ganze Welt verbreitet und ist nun eine der bekanntesten Vordergrundpflanzen der Aquaristik. Da mir die Beschäftigung mit den Aquarienpflanzen so viel Freude gemacht und mir so viele schöne Stunden bereitet hat, ist Downoi das Geschenk, dass ich an das Hobby zurückgegeben habe. Der Kleine Stern ist mein Geschenk, das ich den Aquarienpflanzenfreunden der ganzen Welt machen möchte.
Übersetzt von Michael Kokoscha
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