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Kurz vorgestellt: Doryichthys deokhatoides

von Marita Rombach

Als im Januar 2006 in einem niederländischen Forum fünf Süßwassernadeln unbekannter Art angeboten wurden, habe ich nicht lange gezögert. Denn da der vorige Besitzer sie bereits seit anderthalb Jahren gepflegt hat, konnte ich auf jeden Fall sicher sein, eine reine und nicht allzu problematische Süßwasserart zu erwerben. Nachforschungen im Internet haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass es sich bei diesen Nadeln um die Art Doryichthys deokhatoides handelt.

Leider sind die Informationen zur Pflege dieser Nadeln sehr spärlich. Die Männchen sind etwa 13 cm lang, die Weibchen etwas kleiner und schlanker. Die Wassertemperatur schwankt bei mir um die 25 °C. Sonstige Wasserwerte sind anscheinend unkritisch, da die Nadeln mir auch Beckenwechsel ohne langsame Umgewöhnung nie übel genommen haben.

Beim Vorbesitzer fraßen sie ausschließlich Lebend­futter. Durch meine eigenen Nachforschungen wusste ich, dass in der Natur auch Garneleneier auf ihrem Spei­se­plan stehen. Aus diesem Grund erhielten sie die Ge­sell­schaft einer sich schnell fortpflanzenden Gar­nelen­art. An­fänglich fütterte ich sie mit lebenden Artemia aus dem Aquarien­ge­schäft. Aber schon schnell konnte ich sie da­bei beobachten, wie sie den Garnelen die Eier raubten, die diese zwischen den Schwimmbeinen trugen. Sie wa­ren dabei so ge­schickt, dass hier keine einzige junge Garnele mehr aufwuchs.

Um die Versorgung der Nadeln vor allem in der Ur­laubszeit zu vereinfachen, habe ich sie mit endloser Ge­duld doch an Frostfutter gewöhnen können. Inzwi­schen stehen auch gefrorene weiße und schwarze Mücken­larven sowie Artemia auf ihrem Speiseplan. Rote Mücken­larven und Tubifex werden jedoch weder tot noch lebendig gefressen. Auch Kleinstfutter wie Cyclops oder Arte­mia-Nauplien bleibt unbeachtet und wird nur von den Jungtieren gefressen.

Schon schnell konnte ich die Nadeln das erste Mal bei der Balz beobachten. Sobald ein Weibchen laichbereit ist, buhlen die Männchen um ihre Gunst. Bei diesem Wasserballet in Zeitlupe zeigen die Männchen sich verhalten aggressiv. Was wie ein lieblicher Tanz aussieht, ist der Versuch, die Rivalen zu verdrängen. Oft schwimmen sie dann Bauch an Bauch. Das Weibchen wird von den Männchen umschwommen. Sie krümmen sich dabei im Zustand höchster Erregung und zeigen ihre schönsten Farben. Die Rückenpartie leuchtet dann auf und zeigt ein hübsches Muster, während der Bauch sich intensiv alt­rosa färbt. Wenn kein Nebenbuhler in Sicht ist, gehört auch Kopfnicken von Männchen und Weibchen zum Balz­ritual, bevor beide Bauch an Bauch im Wasser treiben.

Letztendlich legt das Weibchen seine Eier direkt in die „Bauchtasche“  eines Männchens. Zweimal war ich Zeuge der Laichübergabe. Am besten lässt sich dieser Akt noch mit dem Anbringen einer Silikonnaht vergleichen. Das Weibchen setzt ihre Laichöffnung unten an den auseinander geklappten Seiten der später zu einer „Bauch­tasche“ geformten Bauchpartie des Männchens an und bewegt sich nach oben. Daraufhin ist die Bauch­tasche randvoll mit Eiern im Reißverschlussmuster gefüllt.

Die Männchen dieser Art sind Laichräuber und stehlen ihren Rivalen die Eier aus den Bauchtaschen. Dadurch kommen nur einzelne Eier zur vollen Entwick­lung, die etwa zwei Wochen dauert. Auch den frisch geborenen Jungtieren wird nachgestellt.

Die Jungtiere können sofort mit Artemia-Nauplien angefüttert werden. Anfangs jagen sie noch nicht aktiv, sondern stehen still im Wasser und warten auf die nächste Futtergabe.

Diese Süßwassernadeln sind keine großen Schwim­mer und benötigen somit auch kein großes Becken. Sie sind nicht scheu, leben aber sehr zurückgezogen. Wenn sie nicht hungrig oder laichbereit sind, ruhen sie den größten Teil der Zeit. Dabei stehen sie entweder senkrecht zwischen Wasserpflanzen und in den Ecken des Aquariums oder sie liegen zwischen Steinen auf dem Boden. Obwohl überaus interessant, sind sie also absolut keine Fische für Leute, die im Aquarium immer etwas zu sehen haben müssen.


Ein Männchen mit prall gefüllter „Bauch­tasche“.   Foto: M. Rombach


Die Balz und Rivalitätstänze dieser Süßwassernadeln erinnern an Ballett!  
Foto: M. Rombach

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