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Telmatochromis burgeoni – der etwas andere Schneckenbuntbarsch

von Norbert Knaak

Schneckencichliden zeigen ein interessantes Brutpflegeverhalten und können dabei sogar recht produktiv sein. Telmatochromis burgeoni gehört zu den robusteren, hochrückigen Arten der Gattung und geht nicht unbedingt zimperlich mit seinen Mitbewohnern um. Dafür ermöglichen die Buntbarsche interessante Beobachtungen.

Meine erste Begegnung mit der Gattung Telmatochromis liegt nun etwa 25 Jahre zurück. Damals hatte es mir ein Trupp Telmatochromis temporalis auf einem meiner Streifzüge durch Schleswig-Holsteins aquaristische Zentren angetan. Die kleinen Burschen wechselten aus einem Husumer Händlerbecken nach Dithmarschen und ich hatte schon beim Verlassen des Ladens den Eindruck, als würde mich der – offensichtlich fachkundige – Verkäufer mit einem hämischen Grinsen verabschieden.

Telmatochromis burgeoni
Das Weibchen flüchtet bei Gefahr ins Schneckenhaus, kommt jedoch bald wieder hervor, um seine Neugier zu befriedigen... Foto: N. Knaak

Telmatochromis burgeoni
...während das Männchen lieber hinter den Steinen in Sicherheit bleibt.
Foto: N. Knaak

Die Ursache dieses Grinsen wurde mir bald klar, denn in den nächsten Monaten wurde unser nördlichstes Bundesland von mir mit den mehr als reichlichen Nachzuchten dieser Fische förmlich überschwemmt. Es kam, wie es kommen musste: Ich trennte mich, wenn auch schweren Herzens, von den „Brutmaschinen“, die es selbst in mit räuberischen Mbunas besetzten Becken schafften, ihre Jungen großzubekommen.

Meine Telmatochromis burgeoni haben dagegen als Tauschobjekt im Rahmen eines unserer monatlich stattfindenden BSSW-Abende den Weg in eins meiner Becken gefunden. Da ich ohnehin ein großer Freund der Schneckenbuntbarsche des Tanganjikasees bin, war ich natürlich äußerst erfreut, einen doch nicht ganz so weit verbreiteten Cichliden dieser Gemeinschaft kennenlernen zu dürfen.

 

Zwei unterschiedliche  Artengruppen

Die Gattung Telmatochromis umfasst zwei ganz und gar unterschiedliche Fischgemeinschaften, die sich wohl in erster Linie anhand ihrer Form unterscheiden lassen.

Während sich die Gruppe um T. temporalis und T. caninus, zu der auch T. burgeoni zu rechnen ist, aus sehr robust wirkenden, fast schon als hochrückig zu bezeichnenden Fischen zusammensetzt, erinnern die Arten T. bifrenatus  und T. vittatus eher an die Schlankcichliden der Gattung Julidochromis.


Hin und wieder besucht das Männchen das brutpflegende Weibchen.
Foto: N. Knaak

 

Meine Telmatochromis burgeoni mussten sich ihr neues Heim anfänglich noch mit einem Trupp Labidochromis caeruleus teilen. Ich höre jetzt schon die Schreie der Puristen: „Malawi- und Tanganjikabuntbarsche in einem Becken!“ Aber keine Sorge: Die einen haben ihr Heimatgewässer ebenso wenig kennen gelernt wie die anderen.

Diese Form der Vergesellschaftung  funktionierte aber nur so lange, bis sich bei den Telmatochromis Frühlingsgefühle einstellten. Waren die Kameraden schon von Anfang an nicht gerade zimperlich im Umgang mit ihren Mitbewohnern gewesen, so bekamen die „Yellows“ jetzt keine Flosse mehr auf den Boden und ich siedelte die kleinen Giftdrosseln in ein 80 l fassendes Becken um.

 

Anlaufschwierigkeiten

Das Männchen war inzwischen auf eine Länge von etwa 7 cm herangewachsen und überragte das Weibchen damit um fast das Doppelte. Die Färbung der Tiere kann sehr variabel sein und ist extrem stimmungsabhängig. Sie reicht dabei von einem hellen Beige bis zu einer fast graubraunen Tönung, die aber durch dunkel unterlegte Schuppenränder mitunter den Eindruck erwecken kann, als seien die Fische mit einem Netz überzogen.

Wer nun aber dachte, dass einer erfolgreichen Nachzucht nichts mehr im Wege stand, sah sich – zumindest in meinem Fall – getäuscht. Das Weibchen hatte zwar das von mir angebotene Gehäuse einer kleinen Meeresschnecke dankbar angenommen, aber ihr Göttergatte schien keine Veranlassung zu sehen, sie darin aufzusuchen und seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Trotz einer gehaltvollen Fütterung mit Cyclops, Mysis, roten (ja ja, ich weiß …) und schwarzen Mückenlarven sowie Granulatfutter und einem offensichtlich guten Ernährungszustand der Tiere bei regelmäßigen Wasserwechseln tat sich nichts!

Über ein Jahr war nunmehr ins Land gegangen, seit die Telmatochromis burgeoni ihr Einzeldomizil bezogen hatten, und wie es der Lauf der Dinge in so vielen Aquarienkellern ist, kamen neue, vermeintlich interessantere Fische hinzu. Die Telmatochromis wurden also in ein kleineres Becken umgesiedelt. Die Einrichtung entsprach der ihrer letzten Behausung, die unter Verwendung faustgroßer Flusskiesel in einen Steinbruch verwandelt worden war, wobei ich das Schneckenhaus in dieses Bauwerk gut einsehbar eingefügt hatte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Männchen, obwohl es ihm die Ausmaße des Schneckenhauses (geringfügig größer als ein Haus unserer heimischen Weinbergschnecke) erlaubt hätten, es nie aufgesucht und wesentlich lieber Posten zwischen den Steinen bezogen hat. Von dort aus warf es stets einen wachsamen Blick auf das Geschehen, während das Weibchen sich fast permanent in der Schnecke aufhielt.


Sind Jungfische vorhanden, verliert die Mutter die Scheu und schwimmt schützend um die Kleinen herum. Foto: N. Knaak


Auch der Vater ist jetzt häufiger zu sehen. Foto: N. Knaak

Der Umzug schien zu fruchten

Bei Telmatochromis burgeoni erwies sich das Weibchen als wesentlich aktiver. Es präsentierte nun dem Herrn der Schöpfung immer wieder unter leichtem Körperzittern seine Bauchseite und ließ sich in seiner Ekstase sogar dazu hinreißen, seinem Angebeteten gelegentlich in den Bauch zu zwicken und ihn so in Richtung des Schneckengehäuses zu locken.

Ich weiß jetzt nicht, ob er nicht in Stimmung oder einfach zu blöd war, aber erst nachdem dieses Ritual schon wochenlang zu verfolgen war, endete es einmal nicht damit, dass das Männchen seine Partnerin recht rigoros in die Schranken verwies, sondern ihm mit gespreizten Flossen in Richtung seiner Behausung folgte.

Die eigentliche Eiablage konnte ich zwar nicht verfolgen, aber was Herr Telmatochromis dort vor dem Schneckenhaus vollführte, war mehr als offensichtlich. Das Weibchen, das seine Eier zu diesem Zeitpunkt schon abgegeben haben musste, war jetzt eifrig damit beschäftigt, den vom Männchen unter Zittern abgegebenen Samen mit den Brustflossen ins Innere der Schnecke zu befördern. Diese Prozedur wiederholte sich einige Male und jetzt hieß es halt warten, was daraus wird.

 

Drei Generationen

Etwa zehn Tage nach dem Ablaichen konnte man jetzt endlich den einen oder anderen Winzling beobachten. Die Jungen waren wirklich nur zu erkennen, wenn sie sich bewegten, so perfekt war ihre Anpassung an den Untergrund. Wie wir es auch von anderen Schneckenbuntbarschen wie Neolamprologus brevis kennen, sind die Jungen Nestflüchter, die sich aber anfangs noch in unmittelbarer Nähe zum Eingang des Schneckenhauses aufhalten.

Eine weitere interessante Verhaltensweise, die ich in der Folgezeit beobachten konnte, war, dass bis zu drei „Nachzuchtgenerationen“ geduldet werden, bevor sowohl das Männchen als auch das Weibchen daran gehen, „Platz zu schaffen“. In zu kleinen Becken kann das durchaus fatale Folgen für die ältesten Geschwister haben.

Wer also diese Fische in größerer Stückzahl züchten möchte, sollte in bestimmten Intervallen das Becken ausräumen und die Jungfische separat aufziehen. Das bereitet mit Artemien, gesiebtem Tümpelfutter und Staubfutter keine Schwierigkeiten. Schon mit einer Länge von etwa 1,5 cm bemerkt man bei einem Teil der Nachzuchten ein verstärktes Wachstum gegenüber ihren direkten Geschwistern, was ich so deute, dass es sich hier um männliche Tiere handeln könnte.

Als besonders wichtig bei der Aufzucht der Telmatochromis burgeoni hat sich eine hervorragende Wasserqualität unter Zugabe einer geringen Menge von Salz erwiesen, da die Tiere sich bei mir in Bezug auf das Wasser als äußerst sensibel erwiesen haben.

Auch wenn wir es hier nicht mit einem Fisch zu tun haben, der uns durch knallige Farben zu verführen weiss, so wiegen diese dezenten Schönheiten das mit ihrem interessanten Verhalten mehr als auf. Ich hoffe, Sie ein wenig auf den Geschmack gebracht zu haben in Sachen Telmatochromis burgeoni – ich hätte da nämlich noch ein paar Nachzuchten …

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