von Mike Hemmann
Im Handel findet man Spatuloricaria-Arten eher selten. Erst in den letzten Jahren gelangen die Fische infolge verbesserter interkontinentaler Logistik nach und nach zu uns. Auch der technische Fortschritt und Erkenntnisse bezüglich der Haltung sowie die Entwicklungen neuartiger Futtermittel spielen eine bedeutende Rolle. Im Folgenden möchte ich nun etwas mehr Licht ins Dunkel bringen und über einen Vertreter der Gattung berichten: Spatuloricaria sp. „Peru“.
Spatuloricaria sind in der Regel recht groß werdende Hexenwelse, die im männlichen Geschlecht zur Fortpflanzungszeit einen recht auffallenden „Bart“ ausbilden. Er entsteht am Schnauzenrand zunächst in Form von fleischigem Gewebe, das bis zur Paarung zu langen, bis 2 cm großen (je nach Art) Odontoden heranwächst. Dieser Bart verschwindet nach jedem Laichakt und wird vor dem nächsten Paarungszyklus erneut ausgebildet. Die „stärksten“ Männchen einer Gruppe behalten Fragmente eines Barts auch außerhalb der Laichzeit.
Erste aquaristische Beobachtungen von Sven Seidel (Welsladen Chemnitz) und mir lassen darauf schließen, dass die Bartform von Art zu Art in Struktur und Wuchsrichtung auffällig abweicht. Ob die einzelnen Arten dadurch in „abgrenzbare“ Gruppen mit speziellen Eigenschaften oder in geographische Regionen einzuordnen sind, bleibt noch abzuwarten.
Als weitere Besonderheit bei Spatuloricaria wären die zweispitzigen Zähne zu nennen, die an ihren Enden löffelförmig geformt sind. Das deutet auf eine fleischfressende Ernährungsweise hin. Die Endgröße der Tiere kann je nach Art bis zu 50 cm betragen, wobei gesagt werden muss, dass die von uns gepflegten Arten eine Größe um die 30 cm erreichen. Das hängt sicher mit der Haltung im Aquarium zusammen und soll nicht als allgemeingültige Aussage verstanden werden.
Das Hauptverbreitungsgebiet der Spatuloricaria-Arten ist das nordwestliche Südamerika. Der größte Teil von ihnen ist aus Venezuela, Kolumbien und Peru beschrieben worden. Mittlerweile kommen aber auch viele unterscheidbare Arten aus Brasilien zu uns. Wie schon Franke (1985) erwähnte, bedarf diese Gattung dringend einer systematischen Überarbeitung. Der bevorzugte Lebensraum der Fische scheinen schnell fließende und sauerstoffreiche Klar- und Weißwasserflüsse zu sein. Das bestätigen auch die pflegerischen Erfahrungen im Aquarium.

Jungfisch im zarten Alter von drei Tagen. Foto: M. Hemmann
Gut abgrenzbare Form
Spatuloricaria sp. „Peru“ ist deutlich von den anderen Arten der Gattung abgrenzbar. Als auffälligstes Merkmal sei hier die in Teilen rötlichbraun gefärbte Schwanzflosse erwähnt. Aber auch die regelmäßige, grauschwarze, kontrastreiche Zeichnung der Fische ist auffällig.
Wie der Beiname bereits verdeutlicht, gelangen sie aus Peru zu uns. Genaue Fundorte konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.
Die Endgröße von Spatuloricaria sp. „Peru“ kann als sehr „aquarientauglich“ bezeichnet werden. Alle mir bekannten Fische dieser Art waren nicht größer als etwa 20 cm. Hierbei ist aber wiederum anzumerken, dass meine Beobachtungen sich ausschließlich auf im Aquarium gehaltene Tiere beziehen.
Wie schon erwähnt, benötigen Spatuloricaria im Aquarium eine gute Wasserqualität und regelmäßige wöchentliche Wasserwechsel. Faulheit des Pflegers wird in aller Regel mit Erkrankungen an bakteriellen Infektionen und oftmals dem Tod der Tiere bestraft. Die Wassertemperatur sollte 26 °C langfristig nicht unterschreiten. Die Wohlfühltemperatur meiner Spatuloricaria liegt bei etwa 28 °C im Mittel.
Den Fischen sollten wegen der sich ausbildenden sozialen Strukturen genügend Unterstände geboten werden, um Verluste durch mitunter heftig geführte Revierkämpfe zu vermeiden. Auf Pflanzen kann verzichtet werden, da sie aufgrund des hohen Stoffwechsels und der damit entstehenden Kotmengen schnell verschmutzen und nicht mehr ansehnlich erscheinen. Deshalb verzichte ich auch auf Bodengrund jeglicher Art, denn es ist erforderlich, den Mulm kontinuierlich zu entfernen! Aus diesem Grund sei die Haltung nur spezialisierten Aquarianern empfohlen, die die notwendige pflegerische Beständigkeit und Disziplin besitzen. Wenn man Spatuloricaria gezielt vermehren möchte, ist eine Vergesellschaftung mit anderen Fischen nicht ratsam.

Im Alter von drei Monaten schon ein richtiger kleiner Kammharnischwels.
Foto: M. Hemmann
Vorgeschichte
Meine Spatuloricaria sp. „Peru“ kamen im Jahr 2003 über einen Import der Firma Böttner aus Nordthüringen in den „Welsladen“ nach Chemnitz. Dort erwarb sie mein Freund Michael Dörfler. Er hielt die Fische in einem Becken mit einem Fassungsvermögen von 650 l, das mit einem Rieselfilter ausgestattet war.
Von den anfänglich fünf Spatuloricaria sp. „Peru“ kamen bedauerlicherweise infolge einiger unglücklicher Verkettungen im Lauf der Zeit zwei Tiere ums Leben. Ende 2004 gab Michael die restlichen drei Spatuloricaria wieder zurück in den Welsladen, da er sich aquaristisch neu orientieren wollte.
Im Welsladen verstarb noch ein weiterer Spatuloricaria sp. „Peru“. Der Grund lag wohl in territorialen Auseinandersetzungen und der Unterdrückung durch das zu diesem Zeitpunkt dominante Männchen während der bevorstehenden Fortpflanzungsaktivitäten. Die im „Welsladen“ Chemnitz verblieben restlichen beiden Tiere, die sich glücklicherweise als ein Paar herausstellten, bewohnten bis zum April 2005 ein Händlerbecken mit den Maßen von 100 cm x 60 cm x 35 cm. Dieses Becken ist Bestandteil einer Rieselfilteranlage mit etwa 1000 l Gesamtvolumen. Hier fanden auch der erste und der zweite Ablaichvorgang der Spatuloricaria sp. Peru statt. Dazu aber später noch mehr.
Reichliche Fütterung
Im April 2006 bezogen die Spatuloricaria sp. „Peru“ eine baulich und technisch identische Anlage mit 1000 l Volumen, in der über Rieselfilter ein Verbundsystem von acht Becken betrieben wurde. Der einzige Unterschied war, dass die Spatuloricaria sp. „Peru“ hier ein Becken für sich allein zur Verfügung gestellt bekamen. Das Wasser wurde nicht aufbereitet und entsprach dem normalen Geraer Leitungswasser in meiner Wohnlage.
Wasserwerte des Leitungswassers
Am Rande sei erwähnt, dass das Leitungswasser aufgrund negativer Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre (hohe Sterblichkeitsrate bei der Jungfischaufzucht) seit Mitte 2006 über einen Carbonit®-Filter mit Vorfilter im Frischwasserzulauf gefiltert wurde.
Gefüttert werden alle von mir gepflegten loricariinen Welse mit Futtergranulat der Firma Dupla. Die Fütterung mit Markentrockenfutterpräparaten hat bei meinen Fischen über die letzten sieben Jahre keinerlei Nachteile oder sichtbare Mangelerscheinungen hervorgerufen. Ganz im Gegenteil! Als Ergänzung verabreiche ich gelegentlich Vitaminzusätze, um die Nahrung zu vervollständigen und somit aufzuwerten. Die Vitamine wirken sich, wenn auch meist nur kurzfristig, positiv auf meine Fische aus. Anzeichen hierfür sind eine erhöhte Aktivität, Futteraufnahme und Laichansatz sowie meist kurz darauffolgende Paarungsaktivitäten bis hin zur Eiablage bei einzelnen Arten.
Da die Spatuloricaria sp. „Peru“ einen sehr hohen Bedarf an gehaltvollem Futter haben, scheint mir die ausschließliche Ernährung mit Frostfutter und Lebendfutter aufgrund des geringeren Nährwerts recht fraglich zu sein! Die Menge an Futter sollte bei den Spatuloricaria in der Eingewöhnung mit der täglichen Erhöhung der Futtermenge getestet und angepasst werden. Erst wenn unverwertetes Futter im Becken verbleibt, ist die Menge richtig dosiert.
Hierbei muss man keine Angst um seine Tiere haben, denn Spatuloricaria vertragen eine Menge an Futter und neigen auch nicht dazu sich zu überfressen! Ich lege meist ein bis zwei Tage Pause pro Woche bei der Fütterung meiner Tiere nach der Eingewöhnung ein. Bei Neuzugängen ist es aber zwingend erforderlich, die Tiere vernünftig zu konditionieren. In dieser Phase sollte regelmäßig und ausreichend gefüttert werden.
Wurmfutter, etwa die sogenannten Grindalwürmer (Enchytraeus buchholzi) und Enchyträen, (Enchytraeus albidus) sollte nur sparsam angeboten werden, um Organverfettungen und Stoffwechselbehinderungen bei den Fischen zu vermeiden. Auf die Ernährung mit roten Mückenlarven und Tubifex verzichte ich.
Ich weiß, dass diese Ansichten in Sachen Futter recht kontrovers sind. Aber speziell bei den Welsartigen und hier insbesondere bei den loricariinen Welsen ist dieses System nicht nur bei mir viele Jahre getestet worden – es hat sich bestens bewährt! Ich konnte in den letzten Jahren viele Welse, die erfahrungsgemäß als heikel und nicht aquarientauglich gelten, mit dieser Methode zu aktiven, langlebigen und laichwilligen Pfleglingen heranziehen. Man sollte auch in der Aquaristik offen für Neues sein, auch hier bleibt die Entwicklung nicht stehen. Und was ist schließlich schöner für einen Aquarianer als langlebige und fortpflanzungswillige Fische?
Geschafft! Das Laichen ist beendet und die Tiere ruhen noch eine Weile nebeneinander. Foto: M.Hemmann
Erstes Ablaichen
Da Spatuloricaria bei optimaler Pflege nicht scheu sind, sich relativ selten verstecken und deshalb oft zu sehen sind, konnten Sven Seidel und ich die ersten beiden Ablaichvorgänge im Welsladen teilweise beobachten.
Die Tiere laichten beide Male fast um die gleiche Zeit am Vormittag ab. Der Abstand zwischen den Ablaichvorgängen betrug ungefähr vier Wochen. Alle von mir beobachteten Spatuloricaria-Gelege, nicht nur die von S. sp. „Peru“, entstanden zwischen März und Juli. Danach bildete sich bei den Männchen auch kein so imposanter Backenbart mehr aus. Ich schließe daraus, dass die Tiere eine bestimmte Laichperiode konsequent einhalten.
Es ist wie bei allen Fischen, die man eine Weile kennt – meist merkt man schon einige Tage zuvor, dass etwas „im Busch“ ist und ein Ablaichen kurz bevorsteht.
In unserem Fall hat das Männchen der Spatuloricaria sp. „Peru“ einen üppigen, 1 cm langen Bart in den letzten zwei Wochen vor dem Laichakt ausgeprägt.
Fast unmerklich beginnt das Männchen, die Laichregion zu „putzen“ und auch schon gegen Eindringlinge zu verteidigen. Das Weibchen hat in der letzten Woche stark an Leibesumfang zugelegt. Der Laichansatz ist jetzt deutlich erkennbar. Auch beginnt es damit, sich immer öfter und aktiver in der Nähe des Männchens aufzuhalten und es zeitweilig auch in die Seite zu stupsen. Nach meinen Betrachtungen hat es den Anschein, dass das weibliche Tier den Vorgang des Laichens aktiv einleitet. Die Männchen wirken bis auf die Putzarbeiten teilweise ziemlich lethargisch und faul.
Bei den von Seidel und mir beobachteten Fortpflanzungsvorgängen laichten die Spatuloricaria an oder unter sehr bodennah eingebrachten Schieferplatten ab, wie es auf den Fotos zu sehen ist. Auf den ersten Blick sah es so aus, als würde die Enge des Laichplatzes den Ablaichvorgang behindern. Das gehört aber sicher zu einer Fortpflanzungsstrategie, die einen optimalen Schutz der Brut gewährleistet.
Der Laichakt erfolgt in Intervallen. Es werden immer einige Eier, meist weniger als 15 Stück, in Reihen oder kleinen Gruppen auf das Substrat gegeben. Danach überschwimmt das Männchen mit stark ruckenden und teilweise auch zittrigen Bewegungen den Laichplatz. Dabei wirkt es gar nicht mehr lethargisch. Die direkte Spermaabgabe ist nicht sichtbar.
Die einzelnen Serien der Eiabgabe und Befruchtung dauern meist um die 15 bis 30 Minuten. In den Ruhepausen putzen beide Tiere das Gelege und vertreiben neugierige Gäste (beobachtet im Händlerbecken). Die Fische lassen sich während dieser Prozedur von äußeren Einflüssen nicht sonderlich aus der Ruhe bringen. Das Ganze wirkt sehr harmonisch. Die Prozedur zieht sich insgesamt über einen Zeitraum zwischen drei und acht Stunden hin.
Große Eidurchmesser
Die recht voluminösen Gelege von meist etwa 200 Eiern haften sehr stark am Substrat. Die Eigröße ist mit 4 mm im Durchmesser recht beachtlich. Die Eier wirken auf den ersten Blick, selbst in den ersten zwei Tagen, als wären sie nicht befruchtet und abgestorben. Das liegt an der etwas milchigen Färbung der Eier. Erst mit dem Einsetzen der Pigmentierung der Larven erkennt man, dass sich im Inneren doch Leben befindet.
In den zwölf bis vierzehn Tagen bis zum Schlupf der Larven betreut der Vater die Eier sehr intensiv. Eier, die sich nicht entwickeln, werden einzeln aus dem Gelege entfernt. Übrig bleiben meist nur einige Bruchstücke der Eihülle.
Auch das Weibchen ist im Gegensatz zu anderen loricariinen Welsen temporär am Brutgeschäft beteiligt. Es liegt meist in unmittelbarer Nähe des Geleges und wird hier auch vom Männchen geduldet. Sollte der Mann das Gelege kurzeitig verlassen, um beispielsweise Futter aufzunehmen, übernimmt das Weibchen bis zu seiner Rückkehr die Pflege der Eier.
Spatuloricaria-Gelege können unter Umständen auf einer größeren Fläche in einem Radius von teilweise über 20 cm verteilt sein. In diesem Fall war das Weibchen auch parallel zum Männchen in den Randbereichen des Geleges mit der Betreuung des Laichs beschäftigt. Inwieweit dieses Verhalten allgemeingültig ist oder nur unsere beiden Tiere betrifft, bleibt indes noch abzuwarten und muss bei sich bietender Gelegenheit überprüft werden.
Der Schlupf zieht sich bei den Spatuloricaria, wie auch bei anderen loricariinen Welsen, meist über zwei Tage hin. Die Jungfische sind dann schon 12 mm groß und haben keinen sichtbaren Dottersack mehr. Schlupfhilfe ist bei mir nicht notwendig, da das brutpflegende Männchen den Jungen bei Bedarf, ähnlich wie bei vielen Sturisoma- oder Hemiloricaria-Arten in natürlicher Weise durch Raspeln oder schnellen Bewegungen über die Eier aus der störenden Hülle hilft. Verschiedene in der Literatur beschriebene Methoden einer „Geburtshilfe“ halte ich für nicht notwendig.
Wachstumspause
Nach dem vollständigem Schlupf werden die Jungen in ein kleineres, eingehängtes Aufzuchtbecken überführt. Das geschieht bei mir in der Regel mit einem normalen Wasserschlauch. Da sich die Jungfische zumeist in den umströmten, schwarzen Silikon-Ecken aufhalten, können sie mit einem Schlauch (Durchmesser 12/14 mm) einfach vom oberen ins untere Becken abgesaugt werden. Da ich eine Kreislaufanlage besitze, die in allen Aquarien die gleiche Wasserqualität gewährleistet, hat sich diese Technik recht gut bewährt.
Am zweiten Tag in den Abendstunden beginne ich mit dem Füttern. Im Falle der Spatuloricaria sp. „Peru“ verlasse ich mich hierbei auf gemörsertes Duplarin und frische Artemia-Nauplien. Dieses Futter wird gern und gierig angenommen.
Der Aufzuchtkasten ist bis auf eine kleine Wurzel und eine Steinzeugscherbe, die als Unterstand dient, frei von jeglicher Einrichtung. Das ermöglicht die unbedingt erforderliche regelmäßige und pedantische Reinigung der Oberflächen des Einhängekastens mit einem Pinsel am Morgen und am Abend. Diese Arbeit sollte in keinem Fall unterlassen werden, da sich die empfindlichen Jungfische aufgrund der an der Oberfläche wachsenden Beläge schnell mit bakteriellen Infektionen oder Pilzen infizieren können. Das bedeutet nicht selten den Verlust eines Großteils oder der gesamten Fischbruten.
Symptome sind sogenannte Pinselschwänze und -flossen. Hier verschmelzen die feinen Flossenmembranen, meist die der bauchseitigen Flossen, völlig. Ein weiteres Merkmal einer nicht optimalen Pflege ist ein Pilz, der die Fische an der Schwanzflosse beginnend in Richtung Körpermitte befällt. Beides bedeutet in jedem Fall den Verlust der Fischbrut.
Die Jungen wachsen im ersten Lebensabschnitt relativ zügig. Bis zu einer Länge von bis zu 4 cm kann man den kleinen Welsen bei der Zunahme ihrer Körperlänge regelrecht zuschauen. In diesem Stadium verstärkt sich das Längenwachstum. Die Fische unterscheiden sich jetzt nur wenig von den bekannten Hemiloricaria.
Nach einem Jahr scheint das Längenwachstum stillzustehen, egal ob man die Babys in einem kleinen Aufzuchtbecken oder einem normalen Aquarium – bei mir zwischen 100 und 200 l Volumen – unterbringt. Aber nach weiteren zwei Monaten ohne erkennbares Wachstum verändern sich die Kleinen doch noch! Sie wachsen nun erst einmal nicht mehr in die Länge, sondern überproportional in die Breite. Die Fische sehen zu diesem Zeitpunkt recht deformiert aus.
Ein breiter Kopf im Verhältnis zu einer geringen Körperlänge wirkt schon etwas befremdlich. Nach weiteren drei Monaten normalisieren sich die Proportionen wieder etwas. Das Längenwachstum, wenn man überhaupt von einem Wachstum sprechen kann, findet aber auch jetzt nur langsam statt!
Spatuloricaria sp. „Peru“, ist zumindest in meinem Fall ein recht „langsamer Kandidat“, was seine Entwicklung in Richtung abgabefähiger Tiere betrifft. Die Fische sind bei der Fertigstellung dieses Berichts um die 9 cm groß und vom äußeren Erscheinungsbild – abgesehen von der Größe – nicht mehr von den adulten Tieren zu unterscheiden.
Aufgrund meiner Erfahrung mit anderen Spatuloricaria gehe ich davon aus, dass Nachzuchten erst im Alter von mindestens drei Jahren abgabefähig sein werden! Danach vergehen wahrscheinlich noch ein bis zwei Jahre bis zur Fortpflanzungsfähigkeit.
Sechs Monate alt und 50 mm lang. Foto: M. Hemmann
Weitere Erfolge
Erste Schritte sind getan, um diese Fischgattung in unseren Aquarien zu etablieren. Ob Spatuloricaria wegen ihrer Größe einen Aufstieg in den „aquaristischen Olymp“ – wie einst die Hemiloricaria in den 1980er Jahren – schaffen, bleibt abzuwarten. Es ist auf jeden Fall möglich, Spatuloricaria bei geeigneten Bedingungen und vor allem Geduld bei disziplinierter Einhaltung einiger Pflegeanforderungen ziemlich problemlos zu halten und auch zu vermehren. Interessante und imposante Pfleglinge sind sie allemal!
Während der Niederschrift dieses Berichtes sind auch bei anderen Spatuloricaria-Haltern erste Erfolge bei der Vermehrung erzielt worden. So gelang es einem mir namentlich nicht bekannten Aquarianer, Spatuloricaria sp. „San Alejandro“, der ebenfalls aus Peru stammt, zu vermehren und Nachzuchten über den Großhandel Glaser in Rodgau zu vertreiben. Ein Feedback seinerseits wäre interessant.
Auch bei Thomas Weidner war es im Mai 2005 soweit. Seine Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“ haben erfolgreich abgelaicht (siehe Bericht auf S. 54). Darüber hinaus laichten auch meine Spatuloricaria sp. „Rió Zuata“ aus Venezuela im Jahr 2006 das erste Mal. Dazu aber demnächst mehr!
Was sind Spatuloricaria?
Die Gattung Spatuloricaria ist von dem amerikanischen Ichthyologen Schultz 1944 aufgestellt worden. Isbrücker überarbeitete diese Gattung im Jahr 1980. Sie umfasst nach meinen Recherchen derzeit elf valide Arten:
- Spatuloricaria atratoensis Schultz, 1944 – Río Truando, Río Atrato, Kolumbien
- Spatuloricaria caquetae (Fowler, 1943) – Ortschaft Morelia im Río Caquetá Einzug, Río Orteguasa in Kolumbien sowie Río Napo bei Coca in Ecuador
- Spatuloricaria curvispina (Daten Endehl, 1941) – Río Batatal, Río San Jorge im Río-Magdalena-System im Bundesstaat Bolivar in Kolumbien
- Spatuloricaria euacanthagenys Isbrücker, 1979 – Ortschaft Morelia im Río-Caquetá-Einzug in Kolumbien
- Spatuloricaria evansii (Boulenger, 1892) – Nähe der Ortschaft Jangada im Bundesstaat Mato Grosso in Brasilien
- Spatuloricaria fimbriata (Eigenmann & Vance, 1912) – Ortschaft Boca de Certegai in Kolumbien
- Spatuloricaria gymnogaster (Eigenmann & Vance, 1912) – Ortschaft Apulo in Kolumbien
- Spatuloricaria lagoichthys (Schulz, 1944) – Río Palmar in der Nähe der Ortschaft Totuma ungefähr 100 km südwestlich von Maracaibo in Venezuela
- Spatuloricaria nudiventris (Valenciennes, 1840) – Rio São Francisco in Brasilien
- Spatuloricaria phelpsi Schultz, 1944 – Río Socuy, etwa 3 km nördlich in Richtung Maracaibo in Venezuela
- Spatuloricaria puganensis (Pearson, 1937) – Ortschaft Pusoc, Río Marañon in Peru
Dank
Für die schriftlichen Informationen und die Bereitstellung der beschriebenen Fische möchte ich ganz besonders meinem Freund Sven Seidel vom Welsladen in Chemnitz und Herrn Michael Dörfler aus Chemnitz danken.
Weiterhin bedanke ich mich auch bei all meinen Begleitern in Sachen Fisch/Spatuloricaria, speziell: Ingo Seidel (Seefeld), Hans-Georg Evers (Hamburg), Frank Schäfer (Aquarium Glaser/Aqualog), Thomas Weidner (Iffeldorf), A. & A. Werner (München) und Martin Grimm (Leipzig) für den uneigennützigen Gedankenaustausch und die Weitergabe von Informationen und Bildmaterial.
Und last but not least, besten Dank auch an meinem lieben Freund Ulrich Macholdt aus Stadtroda für die Durchsicht des Manuskripts.
Literatur
Britski, H. A., K. Z. de Sz. de Silimon & B. S. Lopes (1999): Peixes do Pantanal. Manual de identificaçao. Embrapa. Serviçao de Produçal – SPI, Brasía, DF. Peixes Pantanal: 1–184.
Evers, H.-G., & I. Seidel (2002): Wels Atlas. Vol. 1. Melle.
Franke, H.-J. (1985): Handbuch der Welskunde. Leipzig.
Isbrücker, I. J. H. (1980): Classification and catalogue of the mailed Loricariidae (Pisces, Siluriformes). Versl. Tech. Gegevens 22: 1–181.
Reis, R. E., S. O. Kullander & C. J. Ferraris Jr. (2003): Check list of the freshwater fishes of South and Central America. Porto Alegre.
Schultz, L. P. (1944 a): A new loricariid catfish from the Rio Truando, Colombia. Copeia: 155–156.
Schultz, L. P. (1944 b): The catfishes of Venezuela, with descriptions of thirty-eight new forms. Proc. U. S. Natl. Mus. 94 (3172): 173–338, Pls. 1–14.
Internet
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