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Bärtige Kuscheltiere Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“

von Thomas Weidner

Aufgrund ihrer Größe und artspezifischen Ansprüche werden es die Arten der Gattung Spatuloricaria immer schwer haben, in der Aquaristik Fuß zu fassen. Doch mittlerweile sind bereits verschiedene Formen importiert und nachgezüchtet worden (siehe auch den Artikel von MIKE HEMMANN auf S. 47).

Spatuloricaria sp.
Laichvolles Weibchen von Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“. Foto: T. Weidner

Wenn einmal Importe von Spatuloricaria-Arten in guter Konstitution nach Deutschland kommen, sind sie meist relativ teuer und nur in geringen Stückzahlen verfügbar. Gruppen zu bekommen ist nicht ganz einfach und bei Jungtieren, gestressten Exemplaren und Männchen außerhalb der Paarungszeit sind die Geschlechtsunterschiede nicht immer leicht zu erkennen. Daher ist man häufig gezwungen, sofort mehrere Exemplare eines Imports zu erstehen, um sicher zu gehen, beide Geschlechter zu erhalten. Zudem ist es besser, mehrere Exemplare eines Geschlechts zu besitzen, um Ausfälle kompensieren zu können. Denn Tiere nachzukaufen ist definitiv nicht zu empfehlen, da die Artunterschiede oft gering und am lebenden Tier kaum auszumachen sind. Daher ist die Gefahr riesig groß, dass man Arten mischt, die sich vielleicht sogar kreuzen, und das ist sicher nicht im Sinne der Aquaristik.

Spatuloricaria sp.
Männchen von Spatuloricaria sp. „Río Nanay“ am Gelege. Die Steinplatte wurde für das Bild herumgedreht. Foto: T. Weidner

Fressmaschinen

Spatuloricaria sp. „Río Nanay“ stammt aus dem Río Nanay in Peru, ist relativ kontrastreich gezeichnet und unter günstigen Umständen fast schwarz-weiß marmoriert. Die Färbung ist aber vom Untergrund abhängig und wird meist nur in Aquarien ohne Bodengrund oder fast weißem Sand gezeigt, die zudem mit dunklen Steinen dekoriert sein sollten. Eine weitere Farbbeschreibung erspare ich mir und verweise auf die beigefügten Bilder. Meine vier Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“ sind in einem 200 cm ´ 80 cm ´ 35 cm (L ´ T ´ H) großen Aquarium zusammen mit drei Loricaria parnahyabae, einem L 90, fünf Hemiloricaria lanceolata, acht Corydoras similis, zwei Apteronotus albifrons und acht Chaetobranchopsis orbicularis untergebracht. Sie haben in dieser Gesellschaft auch bereits gelaicht. Die Wasserwerte liegen bei 28 °C, 150 μS/cm, pH 6,0 und 3 °dGH. Der Nitratgehalt wird durch regelmäßige Wasserwechsel ständig unter 50 mg/l gehalten. Nitrit ist nicht nachweisbar. Um diese Werte zu erreichen, verwende ich zu 90 % Regenwasser. Ist einmal nicht genügend Regenwasser vorhanden, benutze ich einfaches Leitungswasser. Dann kann der Leitwert durchaus auf 600 μS/cm und der pH-Wert auf 8,0 ansteigen. Das stört die Fische zwar in keiner Weise, doch gelaicht haben sie unter diesen Bedingungen bei mir nicht. Hinsichtlich der Ernährung verfüttere ich vermutlich deutlich mehr Frostfutter als Mike HEMMANN (siehe Artikel auf S. 47), jedoch ebenfalls keine Tubifex und keine roten Mückenlarven. Doch auch Markentrockenfutter wird in rauen Mengen verdrückt. Und wie schon HEMMANN angedeutet hat, liegt wohl in der Futtermenge das Geheimnis bei der Zucht der Spatuloricaria-Arten. Spatuloricaria sind wahre Fressmaschinen, und was diese Welse verdrücken können, möchte man nicht glauben. Trägt man sich daher mit dem Gedanken, Spatuloricaria-Arten züchten zu wollen, muss man intensiv füttern und dann natürlich auf die Wasserqualität achten und regelmäßige Wasserwechsel durchführen.

Spatuloricaria sp. Gelege nach 84 Stunden, … Foto: T. Weidner

Spatuloricaria sp.
… nach 180 Stunden und … Foto: T. Weidner

Spatuloricaria sp.
… nach 252 Stunden. Der Schlupf hat begonnen. Foto: T. Weidner

Spatuloricaria sp.
Jungfisch im Alter von sechs Monaten. Foto: T. Weidner

Bartwuchs

Die Männchen von Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“ entwickeln etwa ab Dezember/Januar einen Backenbart, den sie mindestens bis zum Juli tragen. Selbst außerhalb dieser Zeit kann ich mein geschlechtsreifes Männchen anhand wulstiger Auswüchse an den Kopfseiten erkennen, die zudem noch einige einzelne Borsten tragen. Die borstigen Auswüchse können bei S. sp. „Rio Nanay“ fast 2 cm Länge erreichen. Unmittelbar nach der Brutphase fallen sie ab, und nur einige wenige bleiben noch eine Zeit lang erhalten.

Die Annäherung des Weibchens an die Bruthöhle des Männchen, die auch bei S. sp. „Rio Nanay“ sehr klein und schmal ist, erfolgt genauso, wie es HEMMANN schildert. Das Gelege war bei meinen Spatuloricaria sp. „Rio Nanay“ mit maximal 100 Eiern deutlich kleiner und dadurch auch kompakter. Die Eier selbst haben ebenfalls einen Durchmesser von etwa 4 mm und wirken zunächst unbefruchtet, da sie ebenfalls milchig gefärbt sind.

Ein Bewachen des Reviers oder eine aktive Beteiligung des Weibchens an der Gelegebetreuung habe ich nicht beobachten können. Bis auf dieses Detail entspricht die Brutpflege bis zum Schlupf der Larven den Beobachtungen von HEMMANN.

Dann schlüpfen nach rund 12–14 Tagen die Larven und müssen mit feinem Trockenfutter oder Artemia-Nauplien gefüttert werden. Die Kleinen wachsen anständig und bereiten keinerlei Probleme, sofern man die Grundprinzipien für die Saugwelsaufzucht beachtet (saubere Aquarien, oftmalige Wasserwechsel, mehrmalige Fütterungen pro Tag). Im weiteren Verlauf des Heranwachsens scheint es keine Unterscheide zu Spatuloricaria sp. „Peru“ zu geben. Bis zur Größe von 4 cm geht alles wie geschmiert und dann … dann wird es ein Geduldsspiel. Denn bis die Tiere einmal 6–8 cm erreicht haben, kann es durchaus zwei Jahre dauern.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch anmerken, dass sogar Wildfang-Spatuloricaria im Vergleich zu anderen Loricariiden im Aquarium extrem langsam wachsen, selbst wenn sie fast schon gemästet werden. Eine Größe von 40–50 cm für die extrem groß werdenden Arten (etwa S. sp. „Río San Alejandro“) halte ich im Aquarium für ausgeschlossen, vorausgesetzt man hat sie nicht schon als Riesen gekauft. Das lässt unter Umständen den Schluss zu, dass ihnen irgendetwas im Futter fehlt. Von diesem kleinen Manko abgesehen, sind Spatuloricaria-Arten durchaus empfehlenswerte Pflegling für das etwas größere Aquarium.

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