von Sacha Baulan
Der schon einige Male nach Deutschland eingeführte Betta sp. „Mahachai“ gehört zum Betta-splendens-Formenkreis. Betta sp. „Mahachai“ kommt in einem Sumpf in der kleinen Ortschaft Mahachai vor, die
in der Samutsakorn-Provinz rund 30 km südwestlich von Bangkok (Thailand) liegt. Ein Fangausflug zum Biotop dieses hübschen grünen Kampffischs ist ein Erlebnis der besonderen Art.
Betta sp. „Mahachai“? Oh nein, da will ich nicht hin. Das war die erste Reaktion von Tony. Tony ist ein ausgesprochener Fischfreak. Seine heimische Aquarienanlage ist größer als jeder Aquarienladen, den ich je gesehen habe. Allerdings hat er es nicht so mit Schmutz und Dreck. Er desinfiziert sich andauernd die Hände mit einem Mittel, das er ständig bei sich trägt, so dass ich seine Warnungen als übertrieben in den Wind schlug. Außerdem war Michael Lo aus Malaysia mit dabei, der auch schon für diese Zeitschrift geschrieben hat und Ton, der Redakteur des Aqua-Magazins ist, das Nonn Panitvong herausgibt. Da ich eine gewisse Penetranz an den Tag legte, lenkte Tony allerdings ein und wir fuhren auf dem Rückweg von einem anderen Biotop noch an den verheißungsvollen Ort, der diesen schönen Fisch beherbergen sollte.
Lebensraum von Betta sp. „Mahachai“. Foto: S. Baulan

Deutsche Jungautoren im Modder … Foto: N. Panitvong

Zwischen den Wurzeln und Stängeln der Nipah-Palme (Nypa fruticans) ist genügend Wasser für die kleinen Kampffische. Foto: S. Baulan
Kein Glück beim Fang
Sind wir bald da? … Ja, gleich sind wir da! So ging es einige Male hin und her. Das lag weniger an meiner Ungeduld als daran, dass es in Thailand immer zwischen 18:00 und 18:30 Uhr dunkel wird und wir uns dieser Zeit schon bedrohlich näherten. Um 18:15 erreichten wir den Fundort. Schnell ausgepackt und hinein ins Vergnügen. Als ich den Biotop zum ersten Mal sah, konnte ich mir kaum vorstellen, dass in einer solchen Umgebung überhaupt ein Tier leben konnte. Nachdem wir unser Auto auf einer Art Bauschuttmüllhalde abgestellt hatten, ging es noch 150 m an ärmlichen Wellblechbehausungen vorbei, bis wir am eigentlichen Sumpf angekommen waren.
Es stank erbärmlich nach Faulgasen, was wohl durch die sich zersetzten Pflanzenteile der Nypa-fruticans-Palmen hervorgerufen wurde, deren Blätter von den Thai zu Matten gewoben und zum Decken der Dächer genutzt werden. Diese etwa 10 m hohe Palme, die so ziemlich die komplette Vegetation des Sumpfs darstellte – sieht man von den Wasserlinsen ab – beschattete den Biotop, so dass die Lichtverhältnisse noch schlechter waren.
Dem Umstand der Nutzung dieser Palme verdankten wir es, dass es zumindest auf den ersten Metern stegartige Wege gab, die in den Sumpf führten. Da diese Stege aus übereinander gelegten Palmenwedeln aber auch ins Wasser absanken, mussten wir unsere Scheu beiseite legen und drauflos waten. Auffällig war der niedrige Stand des freien Wassers von nur etwa 20 cm im gesamten Sumpfgebiet. Wir versuchten 15 Minuten lang unser Glück, fingen aber leider keinen einzigen Fisch, bis die Dunkelheit uns das Unterfangen abbrechen ließ.
Tony, der außerhalb des Sumpfes wartete, war – während wir fischten – mit einem Anwohner ins Gespräch gekommen und erfuhr so, dass dieser die gesuchten Kampfische zu Zuchtzwecken hielt. Da Michael am nächsten Tag wieder zurückfliegen musste, überredeten wir den Mann, uns einige Fische zu verkaufen.
Wir zahlten 10 Bath pro Fisch, was etwa 20 Cent entspricht, und erwarben vier Fische, wobei es sich um zwei Pärchen handeln sollte. Später sahen wir dann, dass drei der Tiere Männchen waren.
Ein zweiter Versuch
Mein Freund Nonn Panitvong – eins der Gründungmitglieder der Siamensis-Gruppe (www.siamensis.org) – fuhr mit mir und meinem Aquarienkumpel Fredrik Pipkorn Ende August 2006 erneut zu dem besagten Sumpf. Wieder schlug uns der schon am Parkplatz wahrnehmbare Geruch nach Kloake entgegen und gab dem Unternehmen eine atemberaubende Note. Da es erst 7:30 Uhr morgens war, bereute ich, nicht doch eine Kleinigkeit gefrühstückt zu haben, aber vielleicht war das auch besser so.

Aus den Blättern der sehr wassergebunden lebenden Nipah-Palme stellen die Thai beispielsweise die Dachabdeckungen ihrer Hütten her. Foto: S. Baulan

Weibchen des Mahachai-Kampffisches. Foto: S. Baulan

In den gut geschützten Zwischenräumen zwischen den Palmstängeln bauen die Kampffischmännchen ihre Nester. Foto: S. Baulan
Also hinein in den Sumpf. Als Nonn mir dann einige Kampffisch-Schaumnester zeigte, war mein Ehrgeiz geweckt. Sie befanden sich alle in den Spalten zwischen den Palmenwedeln und dem Palmenstamm. Die Einheimischen, die sich hier mit den Kampffischen ein kleines Zubrot verdienen, fangen wohl die brütenden Männchen, indem sie die Ausgänge der kleinen Pfützen mit einer Hand verschließen und mit der anderen den Fisch mit einem Stock aufscheuchen, so dass ihnen der Kampffisch direkt in die Hand schwimmt.
Natürlich fingen wir aber nicht die brütenden Männchen, was sicher einfacher gewesen wäre, dafür aber ökologisch nicht besonders sinnvoll. Außerdem brauchten wir ja auch die Weibchen. Also suchten wir nach frei schwimmenden Tieren. Nach einigen schnellen, stoßartigen Kescherzügen, die uns einige Trichopsis vitatta und Trichogaster trichopterus einbrachten, konnten wir auch den ersten selbstgefangenen Betta sp. „Mahachai“ vermelden.
Trotz des eigentlich niedrigen Wasserstands sanken wir doch einige Male bis zur Hüfte in die in Zersetzung begriffenen Pflanzenteile ein, während wir versuchten, die Fische zu fangen. Das Wasser wies einen Leitwert von über 2000 µS/cm und einen pH-Wert von 6,5 auf. Die Temperatur lag jetzt, zum Ende der Regenzeit hin, bei 26 °C.
In den folgenden zwei Stunden fingen wir ungefähr 30 Tiere, von denen die meisten mit 2–4 cm Größe recht klein waren. Ein einziges, fast ausgewachsenes Männchen war dabei. Die anderen hatten wohl gerade alle zu tun.
Es war auffällig, dass die Kampffische sich bevorzugt in sehr flachen Bereichen aufhielten, die meist noch vom übrigen Wasser abgeschnitten waren. Diese Fische brauchen augenscheinlich nur einen kleinen Lebensraum, den sie dann aber auch für sich allein beanspruchen. Auch von den Jungtieren war sehr selten mehr als ein Tier im Netz, was ihrem Ruf als ausgesprochene Kämpfernaturen – der sie bei den Einheimischen so beliebt macht – entspricht. Allerdings kämpfen die Kontrahenten normalerweise nicht bis zum Tode.
Bevor wir uns auf den Heimweg machten, wollten wir den Fischen noch einmal frisches Wasser aus ihrem Biotop geben – das erwies sich als Fehler. Vermutlich war das Wasser an der Stelle, die ich dafür aussuchte, von einem Ölfilm bedeckt, den wir übersehen hatten. Während der kurzen Heimfahrt verendete leider die Hälfte der gefangenen Tiere, was ich sehr bedauerte. Die anderen Fische zeigten sich putzmunter und fraßen schon wenige Stunden später große Salinenkrebse. Auch schien ihnen die enge Unterbringung in einem 10-l-Kanister nicht zu schaden, was sicher auch daran lag, dass wir hauptsächlich junge, etwa drei bis vier Monate alte Tiere gefangen hatten.
Kreuzung oder gute Art?
Der im Internet kursierende Einwand, dass es sich bei Betta sp. „Mahachai“ um eine Kreuzung aus anderen Betta-Arten handele, lässt sich aus meiner Sicht dadurch entkräften, dass die Fische auch in der fünften Nachzuchtgeneration keine Merkmale einer anderen Art zeigen und alle Eigenschaften wie bei den Ausgangstieren ausgeprägt sind. An der wissenschaftlichen Erstbeschreibung des Betta sp. „Mahachai“ arbeitet zurzeit Chaiwut Krudpan, der auch zur Siamensis-Gruppe gehört und außerdem einen kleinen, aber sehr feinen Laden mit dem Namen Ta Pien Tong (goldene Barbe) am Rand des Weekendmarkts in Bangkok betreibt, in dem er fast ausschließlich einheimische und seltene Fische verkauft.

Jungfisch im Alter von etwa fünf bis sechs Wochen. Foto: S. Baulan
Wieder in Deutschland, setzte ich die Fische in ein dicht bepflanztes 25-l-Becken mit hartem Wasser (pH 7, Leitwert 800 µS/cm, 26 °C). Eine Woche nach dem Einsetzen entdeckte ich das erste Schaumnest in den Schwimmpflanzen, in dem sich auch kurz darauf Laich befand. Leider zerfiel das Nest im Lauf des nächsten Tags vollständig und das Männchen machte keine Anstalten, es neu aufzubauen. Ich sammelte daraufhin die Eier so gut wie möglich ein und überführte sie in eine flache Plastikschale.
Zwei Tage darauf fand ich ein neues Nest mit Laich im Becken vor. Dieses Mal umsorgte das Männchen das Nest. Nach zwei Tagen schlüpften die ersten Larven und weitere drei Tage später schwammen sie frei.
Die Larven waren mit etwa 3 mm Länge zwar größer als die von Betta imbellis, aber kleiner als die von Betta splendens. Die Jungen aus dem ersten, zerfallenen Nest waren in der Zwischenzeit auch geschlüpft, so dass ich etwa 50 Jungfische in einen kleinen Aufzuchtskasten von Gerd Arndt (www.aquarienbastelei.de) setzte und sie ab dem dritten Tag mit Pantoffeltieren fütterte, denen sie aktiv nachstellten. Nach acht Tagen nahmen sie frisch geschlüpfte Artemia und Microwürmer zu sich.

Begegnung am Straßenrand: Thai-Kind mit „Betta-Buddel“. Foto: M. Lo
Im Becken mit den Elterntieren haben sich auch noch einige Jungfische verstecken können, die ich auch fütterte, so gut es ging. Diese Tiere wuchsen deutlich langsamer. Insgesamt soll der Wuchs der Tiere der langsamste im Betta-splendens-Formenkreis sein. Das erscheint mir glaubhaft, wenn ich das Wachstum mit B. imbellis und B. splendens vergleiche.
Nach etwa sechs Wochen maßen die Fische 1,5 cm und hatten einen gesunden Appetit, der auch vor Cyclops und kleinen Wasserflöhen nicht halt machte. Im Alter von knapp drei Monaten zeigten die Fische erste Farben in den Flossen, waren aber nach wie vor sehr verträglich untereinander. Die kleinen Nachzügler aus dem Elternbecken entwickelten sich mittlerweile auch in einem separaten Becken, obwohl sie gegen Ichthyophthirius empfindlich waren, was wohl ihrem schlechten Wachstum in den ersten Wochen zuzuschreiben ist. Die Aufzucht erwies sich aber als einfach und es gab nur minimale Verluste
von zwei oder drei Fischen, so dass ich in Kürze in der Lage sein werde, Tiere abzugeben, damit dieser schöne Fisch hoffentlich im Hobby weiter verbreitet wird.
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