Oreoglanis sp.
von Hans-Georg Evers
Wir Aquarianer sind ja in den letzten Jahren wirklich verwöhnt worden, was die Versorgung mit Fischarten anbelangt, die an ein Leben in extremen Lebensräumen angepasst sind. So werden die beliebten Harnischwelse aus den strömungsreichen Gewässern Südamerikas hierzulande in großer Anzahl gepflegt und auch erfolgreich von vielen Liebhabern vermehrt.
Der hier nun vorgestellte Fisch wäre da für den einen oder anderen aus dieser Gruppe sicher einmal eine interessante Abwechslung in der Topographie. Aus den höher gelegenen Regionen Südostasiens stammt eine Gattung der Welsfamilie Sisoridae, die es bislang noch nicht häufig in die Aquarien geschafft hat. Die Angehörigen der Gattung Oreoglanis gelten als heikle Spezialisten, deren Sauerstoffbedarf hoch und deren Toleranz gegenüber Unterbringungsfehlern niedrig sein soll. Das Hauptproblem dabei ist wohl der Transport aus den höher gelegenen Regionen, wo sie in teilweise reißenden Bächen leben, durch die meist heiße Tiefebene zum nächsten Flughafen.
Ein paar Exemplare haben es mittlerweile jedoch von Thailand nach Europa geschafft. Welche Art der momentan zwölf gültigen Arten der Gattung Oreoglanis wir hier vor uns haben, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Das abgebildete Exemplar maß etwa 8 cm Gesamtlänge. Mit ihrem flachen Kopf und den abgeplatteten Bauchflossen saugen sich die Tiere regelrecht am Untergrund fest und lassen sich nur schwer davon lösen.
Das kennen wir auch von vielen Harnischwelsen (etwa Chaetostoma) oder auch Chiloglanis-Arten aus Afrika. Gefrostete rote Mückenlarven, Futtertabletten und lebende Wasserflöhe haben die Tiere zunächst zaghaft, nach einer Eingewöhnungsphase jedoch recht gierig gefressen. Rein Vegetarisches haben sie nicht beachtet. Schaut man sich einmal die kleinen Raspelzähnchen an, so steht zu vermuten, dass sie in der Natur Insektenlarven und Aufwuchs von den Steinen knabbern. Die Wassertemperatur sollte besser nicht zu hoch liegen, so bei 23–25 °C.
Wer das Glück hat, einige dieser Tiere zu ergattern, sollte mit kräftigen Strömungspumpen arbeiten und ein kleines Bachbett aus runden, groben Kieseln und Steinen als Lebensraum anbieten. Die nähere Beschäftigung mit diesen Skurrilitäten könnte noch so einige Überraschungen parat halten.
Oreoglanis sp. aus Thailand. Foto: H.-G. Evers

Bauchseite von Oreoglanis sp. Foto: H.-G. Evers
Acestridium dichromum
von Michael Schlüter
Auch unter den Welsfreaks sind Acestridium-Arten kaum bekannt. Die hier gezeigte konnte in geringer Stückzahl im März diesen Jahres von Aquarium Tonndorf, Hamburg, über einen Exporteur in Manaus, Brasilien, importiert werden. In der Natur kommen Acestridium in Schwarz- und Klarwasserflüssen mit niedriger Leitfähigkeit und sauren pH-Werten vor. Sie leben dort in der Ufervegetation und im Geäst umgestürzter Bäume, meistens in strömenden Bereichen. Oft sind dort auch Farlowella-Arten zu finden, die im ersten Augenblick nach dem Fang kaum von ihnen zu unterscheiden sind.
Da Acestridium durch den Transport häufig in schlechter Kondition in Deutschland ankommen, sind die Ausfallquoten sehr hoch. Die Pflege im Aquarium ist ebenfalls recht problematisch. Die Fische halten sich hier meistens an Holzteilen, Pflanzenstängeln, Steinen oder den Seitenscheiben des Aquariums auf und sind kaum einmal am Boden zu finden. Das macht die Fütterung der Tiere nicht gerade einfach. Sie raspeln mit Vorliebe Algen ab. Futtertabletten werden dagegen kaum angenommen. Allerdings fressen sie Artemia-Nauplien, sofern sie sich an den Aquarienscheiben sammeln.
Einzigartig ist, dass Acestridium dichromum in der Lage ist, die Farbe von Braun zu Hellgrün zu ändern. Freunde von ausgefallenen Fischen sollten ausreichend gewarnt sein. Acestridium sind äußerst anspruchsvolle Fische. Sie benötigen dauerhaft Algen und sind ohne dieses Futter sichere Todeskandidaten.
Acestridium dichromum. Foto: M. Schlüter
Piabucina cf. unitaeniata
von Michael Schlüter
Aquaristisch sind die neun bis heute beschriebenen Arten der Gattung Piabucina bisher kaum in Erscheinung getreten. Mindestens zwei weitere Arten sind noch unbeschrieben. Es handelt sich um mittelgroße Fische aus der Familie der Schlanksalmler (Lebiasinidae), die im nördlichen Südamerika und Mittelamerika beheimatet sind. Piabucina-Arten sind schnelle und elegante Schwimmer, die sich räuberisch ernähren. Im Aquarium lassen sich die Arten an Ersatzfutter gewöhnen.
Piabucina cf. unitaeniata konnten wir auf einer Reise nach Guyana im Einzugsgebiet des Mazaruni-Flusses an zwei unterschiedlichen Fundorten fangen. Vor Ort war uns nicht bewusst, dass es sich um ein und die gleiche Art handelt. Die Jungtiere vom ersten Fundort stammten aus Schwarzwassertümpeln. Sie waren etwa 2 cm lang, dunkelrot gefärbt und hatten hellblaue Flossenränder. Die Tiere vom zweiten Fundort am Kamerang-Fluss sahen wie der hier gezeigte Fisch aus und waren größer.
Leider ist die schöne Färbung der mitgebrachten Jungtiere nur noch zu erahnen. Innerhalb von sechs Monaten sind die Tiere mehr als 10 cm gewachsen und scheinen jetzt mit etwa 14 cm Länge ausgewachsen zu sein. Eine Vergesellschaftung mit anderen, mittelgroßen Fischen ist problemlos möglich. Interessant ist, dass diese Art ab und zu, trotz ausreichender Sauerstoffsättigung des Aquariumwassers, Luft von der Wasseroberfläche aufnimmt.
Piabucina cf. unitaeniata. Foto: M. Schlüter
Die „Goldene Garnele“
von Daniel Leigh
Die „Crystal Red Shrimp“, meist überall in der Welt kurz als „CRS“ bezeichnet, wird in Asien seit einigen Jahren sehr erfolgreich nachgezüchtet. Die populäre Garnele wird sowohl in kommerziellen Zuchtfarmen wie auch von Hobbyisten in teilweise sehr speziellen und auch teuren Zuchtformen vermehrt. Begeisterte Aquarianer
in Japan, Taiwan, Korea, Hongkong, Singapur, Malaysia, Indonesien und anderen Ländern trugen und tragen zu einem immens großen „Pool“ an genetischem Material bei. So haben sich durch ernsthafte Zuchtauslese, die für Aquarianer andernorts, etwa in Europa und den USA, mit kaum vorstellbarem Aufwand betrieben wird, viele hübsche Formen entwickelt und manifestiert. Im Jahre 2005 jedoch erwarben einige taiwanesische Aquarianer von einem japanischen Züchter eine bislang noch nicht bekannte Zuchtform der CRS, die die Gemüter in Taiwan momentan sehr bewegt.
Die neue Zuchtform wird in Japan als „Snow White“ bezeichnet. In Taiwan kennen wir diese Form unter den Bezeichnungen „Golden Shrimp“ oder „Weiße CRS“ – „golden“ wohl deshalb, weil die Tiere bei bestimmtem Lichteinfall tatsächlich das einfallende Licht golden reflektieren. Von der „Golden Shrimp“ existieren offenbar zwei Formen. Die eine Form ist tatsächlich schneeweiß und wird höchstens 0,8–1 cm groß. Diese Form ist sehr empfindlich und nur schwierig zu vermehren. Die zweite Form wächst zu einer für die CRS normalen Größe heran und lässt sich auch wie die anderen bekannten Formen problemlos nachzüchten. Leider ist die Färbung auch nicht so intensiv weiß wie bei der kleineren Form.
Die Zucht und Auslese der „Goldenen Garnele“ steckt noch in den Kinderschuhen. Doch die Züchter in Japan und Taiwan arbeiten intensiv an einer stabilen Zuchtform mit schöner Färbung. Ähnlich wie auch der Aufwand, der bei uns in Taiwan für bestimmte Guppyformen („Monster Head“ oder „Mosura“) betrieben worden ist, ist auch eine gewisse Hysterie um diese CRS entstanden. Was für eine Garnele wird sich aus dieser „Snow White“-Linie wohl noch entwickeln? Wir sind sehr gespannt auf die zukünftigen Generationen. Und den Garnelenfreunden unter Ihnen sei schon empfohlen, sich bereit zu halten, denn bald sind die ersten „Goldenen Garnelen“ auch bei Ihnen in Europa!

Die neue, goldene Zuchtform der Caridina sp. „Crystal Red“. Foto: D. Leigh
Garnelen aus Indonesien
von Hans-Georg Evers
Diesmal sollen an dieser Stelle gleich mehrere Garnelenarten aus Indonesien vorgestellt werden, die die Fa. Aqua-Tropic (Nürnberg) vor kurzem eingeführt hat.
Den Anfang macht eine ungewöhnliche Rückenstrichgarnele aus Sumatra. Die etwa 3 cm groß werdende Caridina-Art erstrahlt in einem tiefen Blau, zu dem der helle Rückenstrich in starkem Kontrast steht.
Sehr grazil und zerbrechlich wirkt dagegen die hübsche Caridina brachydactyla. Erst bei richtiger Beleuchtung kann man auf den kleinen Garnelen die rote Strichzeichnung gut erkennen. In zu dunkler Umgebung wirken diese Striche bestenfalls rotbraun. Mit etwa 3 cm Gesamtgröße bleibt auch diese Garnele relativ klein und ist, so weit bislang bekannt, auch recht unproblematisch im Aquarium zu pflegen. Von einer gelungenen Vermehrung beider bisher genannter Arten ist noch nichts bekannt.
Das gilt auch für den Vetter einer uns gut bekannten Garnelenart. Aus Indonesien ist Caridina brevicarpalis brevicarpalis, die Indonesische Nashorngarnele, eingeführt worden. Wäre der deutsche Trivialname „Rote Nashorngarnele“ nicht schon für die weitaus bekanntere und auch schon nachgezüchtete (siehe Blankenhaus 2006) Caridina gracilirostris vergeben, müsste eigentlich diese Art damit bedacht werden. Abhängig vom Lichteinfall kann das gesamte Tier von einer Vielzahl leuchtend roter, winziger Pünktchen überzogen sein. Soweit wir bisher feststellen konnten, ist die Art nicht schwieriger als andere Nashorngarnelen zu pflegen. Zuchtversuche sollten wohl so aussehen, wie von Blankenhaus (2006) beschrieben.
Vor einigen Jahren hatte die Ersteinfuhr von Caridina celebensis für viel Wirbel gesorgt. Die hübschen Garnelen bestechen durch ihre kontrastreiche Färbung und nicht wenige Garnelenfreunde möchten diese Art gern einmal pflegen. Auch wenn die Art von Sulawesi („Celebes“) beschrieben worden ist, so kommt sie doch auch auf anderen indonesischen Inseln vor. Die gezeigten Exemplare stammen beispielsweise von Sumatra. Interessant ist die Nachtfärbung, die ich einmal eher durch Zufall bemerkte. Die Tiere werden tiefrot, wie auf der etwas verunglückten Aufnahme gut zu sehen ist.
Die Weibchen dieser Art trugen bei mir viele winzig kleine Eier, was auf Schwierigkeiten bei der Zucht hindeuten mag. Mir ist jedenfalls noch nichts von einer geglückten Nachzucht bekannt. Die hübsche Färbung wäre doch einmal einen Versuch wert, oder beschäftigen sich ernst zu nehmende Garnelenfreunde mittlerweile nur noch mit „kristallroten Gratwanderungen“?
Literatur
Blankenhaus, R. (2006): Nachzucht bei der Roten Nashorngarnele. AMAZONAS, 3 (1): 74–77.
Caridina celebensis in Tagfärbung. Foto: H.-G. Evers

Nachts erstrahlen Caridina celebensis in leuchtendem Rot. Foto: H.-G. Evers
Sicyopus zosterophorum
von Hans-Georg Evers
Aus Indonesien kommt in letzter Zeit hin und wieder einmal eine kleine, sehr hübsche Grundel zu uns, die sich nach meinen Erfahrungen auch gut für die Pflege in reinem Süßwasser eignet. Sicyopus zosterophorum ist im tropischen Asien recht weit verbreitet. Nach Kotteleat et al. (1993) lebt die Art in küstennahen Gewässern auf Nias, Bali, den Molukken, Neuguinea, den Philippinen und Japan. Meine Tiere erhielt mein indonesischer Freund Jeffrey Christian von Maju Aquarium, Jakarta, von seinem Lieferanten aus Sumatra.
Ich pflege drei Paare dieser flinken Gesellen zusammen mit einer anderen Grundelart in einem recht großen Aquarium von 150 x 60 cm Grundfläche. Der hintere Teil ist mit Steinaufbauten vollgebaut, zwischen denen die kleinen Kerle umherflitzen. Der pH-Wert liegt bei etwa pH 8, die Gesamthärte bei 14 °dGH, die Wassertemperatur bei 24 °C. Hier fühlen sich die Tiere sichtlich wohl.
Gefressen wird vorwiegend Lebendes und seien es auch nur einmal Artemia-Nauplien. Auch an Trockenfutter sah ich die Tiere nippen, doch spuckten die verwöhnten Biester die Brocken gleich wieder aus. Leider ist das Becken so unübersichtlich, dass ich es wohl nicht mitbekommen werde, sollten die Tiere einmal zur Fortpflanzung schreiten. Mittlerweile ärgere ich mich darüber, denn ich habe keine Lust, das ganze Aquarium auszuräumen, um die flinken Burschen einmal in ein kleineres Zuchtbecken umzusetzen. Doch es juckt mich geradezu in den Fingern.
Die Männchen sind den ganzen Tag über damit beschäftigt, sich gegenseitig anzudrohen. Dabei leuchten sie manchmal in schönsten Orangetönen. Eine schwarze Balkenzeichnung im hinteren Körperdrittel zeigen sie nur selten, etwa bei Unwohlsein oder wenn sie sehr aufgeregt sind. Die gewöhnliche Färbung ist auf dem zweiten Bild ganz gut zu erkennen. Die Damen zeigen sich in einem schlichten grauen Kleid, so dass sie mit den Weibchen anderer Arten recht leicht zu verwechseln sind. Sie sind ohnehin seltener, da meist nur die attraktiven Männchen gefangen werden. Für den Züchter in spe gilt hier also: Augen auf beim Grundelkauf!
Literatur
Kottelat, M., A. J. Whitten, S. N. Kartikasari & S. Wirjoatmodjo (1993): Freshwater Fishes of Western Indonesia and Sulawesi. Jakarta.

Männchen in Normalfärbung sind auch nicht schlecht. Foto: H.-G. Evers
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