AMAZONAS 14, Novemer/Dezember 2007, Seite 43–46
Metriaclima estherae – Zebra-Buntbarsch oder Zebra-Maulbrüter oder wie?
von Hans-Georg Evers
Wir hätten den Superstar der Malawiszene eigentlich schon viel früher an dieser Stelle vorstellen müssen, doch wir haben uns nicht so recht getraut. Warum, fragen Sie sich? Ganz einfach, wir wussten nicht, wie wir diesen Klassiker aus Afrika nennen sollten! Über die wissenschaftliche Einordnung in eine bestimmte Gattung streiten sich die Gelehrten seit Jahren. Wir hatten da lange Zeit die Auswahl zwischen Pseudotropheus (so kannte ich ihn als Kind), Maylandia oder Metriaclima, und die vorhandene wissenschaftliche Literatur wird nach wie vor nicht überall anerkannt (Stauffer et al. 1997, Konings & Stauffer 2006). Wir übernehmen sie hier dennoch, irgendwie muss man des Malawifreunds liebstes Kind ja nennen.

Schönes Männchen der Orange-Blotch-Variante mit starkem Blauanteil.
Foto: N. Knaak
So gehören die Arten des sogenannten Pseudotropheus-zebra-Komplexes nunmehr in die Gattung Metriaclima. Unser Evergreen wurde sozusagen aufgeteilt und die meisten Formen, die wir heute pflegen, nämlich der beliebte „Rote Zebra“, zählen zur Art Metriaclima estherae. Der „alte“ Name Metriaclima zebra ist immer noch gültig, bezeichnet jedoch eine aquaristisch vergleichsweise wenig gepflegte Art, nämlich die klassische Form mit den dunkel- und hellblauen Querstreifen.
Tja, und der Name Zebrabuntbarsch ist ja auch für einen anderen Buntbarsch lange vergeben, der ebenfalls einige „Gattungssprünge“ hinter sich hat, weshalb viele Leute nun „Zebra-Maulbrüter“ sagen. Kompliziert? Ja, allerdings, und trotzdem dürfen die hübschen Kraftprotze nicht in der Reihe der Klassiker und Evergreens fehlen!
Mbuna
Mbuna ist der afrikanische Name für die Bewohner der Felsufer im Malawisee. Seit über 40 Jahren haben die Mbunas ihren festen Freundeskreis unter den Aquarianern, auch wenn ihr Stern nicht mehr ganz so hoch am Himmel steht wie noch vor wenigen Jahren. In der Mode wurden sie mittlerweile von anderen Fischgruppen verdrängt, doch aus den Herzen der „Barschfreunde“ sind sie nicht zu verbannen. Als echte Buntbarsche besiedeln sie zu Zigtausenden die felsigen Geröllzonen der Ufer des Malawisees im ostafrikanischen Grabenbruch. Die bunten, aktiven Fische leben in großen Verbänden, und oftmals ziehen mehrere ähnlich gebaute und gefärbte Arten gemeinsam ihre Runden. Die Felsen bieten durch die dichten Algenbestände eine riesige Nahrungsgrundlage und außerdem durch die vielen Felsspalten und kleinen Höhlen, in die sich die Jungfische bei Gefahr zurückziehen können, bestmöglichen Schutz vor Fressfeinden.

Männchen von Metriaclima estherae. Aus der im See seltenen
O-Morphe wurde ein weit verbreiteter Aquarienstamm herausgezüchtet.
Foto: H.-G. Evers
Bunte Vielfalt
Metriaclima estherae ist eine polychromatische Art. Es gibt also schon in der Natur verschiedene Farbformen innerhalb einer Population, die sich in der Körperfärbung deutlich voneinander unterscheiden lassen. Wir kennen neben der dunkel gefärbten Normalform auch hellblau gefärbte Männchen. Daneben gibt es ganz selten auch leuchtend orange gefärbte Exemplare (die „O-Morphe“). Die Weibchen sind in der Regel gelborange und haben die typischen gelben Eiflecke der Männchen in der Afterflosse nur kaum oder gar nicht ausgebildet. Eine Besonderheit sind die marmorierten Tiere, die als OB-Varianten (OB = „orange blotch“, gelbe Tiere mit schwarzen Flecken) bezeichnet werden. In der Obhut des Menschen sind auch verschiedene Zuchtformen entstanden, so zum Beispiel die Albinos, die mittlerweile recht häufig im Handel anzutreffen sind.
Raue Sitten
Wer in einem großen Verband lebt, muss sich durchsetzen können, will er seine Gene an die nächste Generation weitergeben. Die stärksten Männchen besetzen Laichreviere im Felslitoral, von denen aus sie die vorbeiziehenden Weibchen anbalzen. Dort wird auch gelaicht, und die Weibchen verschwinden danach wieder mit dem Maul voller Eier. Die Mütter kümmern sich nur so lange um die Kleinen, bis sie geschlüpft und die großen Dottersäcke aufgezehrt sind. Danach sind die Kleinen bald auf sich allein gestellt und die Weibchen stürzen sich wieder aufs Futter und bald auch in die Nähe der wartenden Männchen.
Untereinander sind die Kontrahenten nicht zimperlich, und eigentlich sieht man ständig irgendwo Plänkeleien und Kommentkämpfe, um die Gunst der Weibchen zu erringen. Auch die Mädels bekommen ihre Knuffe, wenn sie noch nicht so recht laichen wollen. Im See ist Platz genug und so können unterlegene Gegner schnell die Kampfarena verlassen, ohne größeren Schaden zu nehmen.

Weibchen der O-Morphe des Roten Zebra. Foto: H.-G. Evers

Metriaclima zebra, Männchen. Foto: H.-G. Evers
Und im Aquarium?
Wer aufgepasst und sich die vorangegangenen Zeilen verinnerlicht hat, der wird schon wissen, wie der Hase hier läuft. Ein mindestens 10 cm groß werdender Dauerbrenner, der ständig aktiv ist, vorwiegend vegetarische Nahrung benötigt und sich außerdem gern kloppt, braucht vor allem eines: Platz. Da die Tiere in größeren Gruppen gepflegt werden sollten, gern auch in Gesellschaft mit anderen Mbunas, braucht es schon mindestens ein Meterbecken, besser noch größere Behälter, um den Tieren keinen Tort anzutun.
Felsaufbauten für die sicherlich anfallenden Jungfische sind ebenso sinnvoll und schon bald wird der Malawibuntbarschfreund zum Züchter mutiert sein. Dann muss noch mehr Wasser gewechselt und für abwechslungsreiche, artgerechte Fütterung gesorgt werden. Aber das tut man doch gern, oder warum sind es gerade diese Aquarianer, die immer über Platznot klagen und ständig neue Aquarien aufstellen? Der „Rote Zebra“, wie er seit Jahren liebevoll genannt wird, obwohl er ja eigentlich keiner mehr ist, ist da schon für viele Fischfreunde zum Anlass für größere Kelleranlagen geworden!

Männchen beim Maulzerren, Kräftemessen zur Rangfestlegung
innerhalb der Gruppe beim Roten Zebra. Foto: H.-G. Evers
Literatur
Konings, A. F., & J. R. Stauffer (2006): Revised diagnosis of Metriaclima (Teleostei: Cichlidae) with description of a new species from Lake Malawi National Park, Africa. Ichthyol. Explor. Freshwaters 17 (3): 233–246.
Spreinat, A. (2006): Malawisee-Buntbarsche. Teil 2: Arten und Lebensräume. Ettlingen
Stauffer, J. R., N. J. Bowers, K. A. Kellogg & K. R. McKaye (1997): A revision of the blue-back Pseudotropheus zebra (Teleostei: Cichlidae) complex from Lake Malawi, Africa, with a description of a new genus and ten new species. Proc. Acad. Nat. Sci. Philadelphia 148: 189–230.
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