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AMAZONAS 14, Novemer/Dezember 2007, Seite 78–82

Fische und Wirbellose neu importiert

Hemirhamphodon tengah

Nachdem im letzten Jahr Hemirhamphodon phaiosoma neu für die Aquaristik importiert werden konnte, sind in diesem Jahr erstmalig H. tengah in größerer Zahl nach Deutschland gekommen. Diese Art ähnelt H. chrysopunctatus sehr, und beide Arten sind anhand ihrer Färbung nur schwer voneinander zu unterscheiden. Hemirhamphodon chrysopunctatus soll etwa 85 mm groß werden, während H. tengah mit 60 mm Länge ausgewachsen ist. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Position der Afterflosse. Bei H. tengah liegt sie unterhalb der vierten bis siebten Rückenflossenstrahlen, bei H. chrysopunctatus unterhalb der achten bis elften.


Hemirhamphodon tengah. Foto: M. Schlüter

Das Verbreitungsgebiet beider Arten überschneidet sich ebenfalls. In der Natur leben sie in schnell fließenden Bächen und Flüssen in Südborneo (Kalimantan-Tengah). Sie ernähren sich dort hauptsächlich von Anflugnahrung. Im Aquarium kann man den Halbschnabelhechten jegliches Futter anbieten, das sie mit ihrer relativ kleinen Maulspalte bewältigen können.

Die Nahrung wird allerdings fast ausschließlich von der Wasseroberfläche genommen. Lebendes Futter erbeuten die Tiere jedoch auch in etwas tieferen Bereichen.

Während es sich bei H. chrysopunctatus um eine lebendgebärende Art handelt, legt H. tengah Eier in feinfiedrigen Pflanzen ab. Diese haben einen Durchmesser von etwa 2,0 mm und sind transparent. Die Entwicklung der Larven ist gut in den Eihüllen zu erkennen. Die Jungfische schlüpfen nach etwa zwei Wochen.

Michael Schlüter

Gymnogeophagus cf. Labiatus„ Valentines“

Nicht unbedingt neu, doch ein recht schönes Kerlchen ist Gymnogeophagus cf. labiatus von Valentines, Bezirk Treinta y Tres („33“), aus Uruguay. Amazon-Exotic-Import hat diesen südlichen Erdfresser im Juli 2006 eingeführt. Inzwischen haben sich die semiadulten


Männchen von Gymnogeophagus cf. labiatus. Foto: T. Weidner


Das dazugehörige Weibchen. Foto: T. Weidner

Tiere zu wahren Prachtexemplaren entwickelt. Die meisten Importe dieser Art haben Europa bisher aus Brasilien erreicht und somit kann man diese Form dann doch noch als neu bezeichnen. Ursprünglich wurden die Tiere sogar als G. cf. labiatus „Big Lips“ importiert, was auf eine gewisse Unsicherheit in der Nomenklatur hinweist. Dazu muss man wissen, dass beispielsweise G. bucephalus von der Mehrzahl der Ichthyologen als Synonym von G. labiatus betrachtet wird, doch scheint es geringe Unterschiede im Typusmaterial der beiden Arten zu geben. Somit könnte es durchaus sein, dass die hier vorgestellte Art auch irgendwann einmal G. bucephalus zugeordnet werden wird.

Auffällig, namengebend und damit arttypisch sind die verdickten Lippen, die aber nur bei männlichen Exemplaren intensiv ausgeprägt sind. Weibchen hingegen sind unscheinbar silbrig gefärbt und haben bei weitem keine so auffälligen Lippen.

Im nicht zu warmen Aquarium (20–24 °C) entwickelt sich diese Art hervorragend. Ob eine noch kühlere Phase – wie sie für sämtliche südlichen Arten empfohlen wird – notwendig ist, kann ich heute noch nicht sagen, da ich die Tiere dazu noch nicht lang genug pflege. Anmerken will ich jedoch, dass ich die Wasserwechsel mit kühlem Wasser mache und die Temperatur dann kurzfristig durchaus auf 16 °C abfallen kann.

Gefressen wird jede angebotene Nahrung und auch hinsichtlich der Wasserwerte sind die Tiere recht tolerant. Sie akzeptieren nach meinen bisherigen Beobachtungen Werte zwischen pH 6 und 8 und Härtegrade zwischen 3 und 20 °dGH.

Mit ziemlicher Sicherheit wird es sich um einen larvophilen maternalen Maulbrüter handeln, doch würden mich auch Abweichungen von diesem Verhalten nicht überraschen.

Thomas Weidner

Neostethus lankesteri

Neostethus lankesteri stammt aus der kleinen, ungewöhnlichen Familie der Phallostethidae (Kehlphallusfische). Namengebend ist das fleischige Kopulationsorgan der Männchen, das sogenannte Priapium. Es hat sich aus dem Skelett gebildet und sitzt kurz unterhalb der Kehle. Vermutlich verhakt sich das Männchen mithilfe dieses Organs während der Eiablage mit dem Weibchen. Auch die weibliche Genitalöffnung befindet sich, durch eine Schuppe geschützt, unterhalb der Kehle. Neostethus lankesteri ist nahezu transparent und mit einer Länge von etwa 3 cm ausgewachsen.


Neostethus lankesteri. Foto: M. Schlüter

Tropic Aquaristik, Bergisch-Gladbach, konnte in diesem Jahr einige Exemplare der sehr empfindlichen Fischart lebend importieren. Das allein ist bemerkenswert, da diese Zwergfische oft schon beim Fang sterben. Dennoch ist Neostethus lankesteri relativ weit verbreitet und von der Malaiischen Halbinsel, Singapur, Sumatra und Borneo bekannt. Die Fische leben hier in den küstennahen Bereichen von Flüssen und Bächen im Brackwasser und ernähren sich von feinem Zooplankton.

Haben sie erst einmal die kräftezehrende Reise bis in das Aquarium überstanden, scheinen sie relativ ausdauernd und auch tolerant gegenüber der Salzkonzentration des Wassers zu sein. Als Nahrung bieten sich Salinenkrebschen an, die im Brackwasseraquarium einige Tage lang überleben können.

Michael Schlüter

Botia udomritthiruji

Es gibt sie durchaus, die Liebhaber größerer Schmerlen, aber wohl nicht hierzulande, oder? Wie sonst wäre es zu erklären, dass eine ausgesprochen attraktive Schmerle, die bereits 1993 entdeckt wurde, noch nicht bei uns aufgetaucht ist?


Botia udomritthiruji. Foto: H.-G. Evers

Aus dem Tenasserim, einem Grenzfluss zwischen Myanmar und Thailand, gelangten damals einige Exemplare einer unbeschriebenen Botia-Art nach Japan und in die USA, die unter dem Namen „Emperor loach“ (Kaiser-Schmerle) für Furore sorgten. Die Zeichnung erinnert etwas an Botia histrionica, die in großer Zahl gehandelt wird. Die Grundfarbe der gerade erst von Ng als Botia udomritthiruji beschriebenen Art ist besonders bei jüngeren Exemplaren leuchtend orange und hebt sich sehr schön von den breiten schwarzen Körperbändern ab. Bei älteren Exemplaren verblasst das schöne Muster etwas.

Das Tenasserin-Plateau in Myanmar auf etwa 2000 m Höhe ist militärisches Sperrgebiet und für Ausländer unzugänglich. Lediglich im Grenzbereich zum Nachbarstaat Thailand sind seit 2003 einzelne Genehmigungen zum Fang dieser und anderer Fische für den Export erteilt worden. Das ist teuer, zumal auch noch eine begleitende Militärpatrouille bezahlt werden muss. Kein Wunder also, dass die wenigen bislang exportierten Exemplare zu gesalzenen Preisen gehandelt wurden. 2007 tauchten nun verstärkt Importe in England und Deutschland auf.

Botia udomritthiruji erreicht maximal etwa 15 cm Gesamtlänge. Die Tiere sind, wie viele dieser Schmerlen, territorial und untereinander mitunter etwas zänkisch. Jedoch sind sie bei Weitem nicht so aggressiv wie manch andere Vertreter dieser Gruppe. Anderen Mitbewohnern gegenüber verhalten sie sich, soweit bislang bekannt, friedlich. Alles in allem handelt es sich also eine aquaristisch durchaus interessante Schmerle, für den Liebhaber des Besonderen. Mit gut bestücktem Geldbeutel, versteht sich, denn die Tiere sollten nicht einzeln, sondern in einer kleinen Gruppe gepflegt werden. Demnächst werden wir über diese Schmerle und ihre Geschichte noch etwas ausführlicher berichten.

Hans-Georg Evers

Ein Pälmchen im Aquarium

Als kleine Besonderheit stelle ich heute ein traumhaft schönes asiatisches Palmenmoos vor. Climacium japonicum (Lindberg, 1872) gehört noch zu den absoluten Raritäten, sowohl in Deutschland als auch im asiatischen Raum. Zu den Laubmoosen gehörend, wird es nur gelegentlich als emerses Moos für Paludarien angeboten, lässt sich jedoch auch wunderbar submers halten. Die wenigen importierten Exemplare zeigen bei der Unterwasserhaltung auch nach mehreren Monaten keine Beeinträchtigungen (nähere Infos unter www.aquaticjewels.de). Climacium japonicum bildet ein etwa 10 cm hohes Stielchen aus, aus dem sich dann die wunderschöne Moospalme entwickelt. Mein eigenes Exemplar macht sich prächtig und ich warte gespannt auf die ersten Ableger.


Das Moospälmchen, Climacium japonicum. Foto: A. Helmenstein


Eriocaulon sp. „Australien“ ist eine der teuersten derzeit gehandelten
Aquarienpflanzen. Foto: A. Helmenstein

Bisher sind nur vier Climacium-Arten beschrieben worden, wobei allerdings nicht alle die palmenartige Wuchsform ausbilden. Als Standorte werden für alle Arten Feuchtgebiete, Sumpf- oder Wasserlandschaften angegeben. Auch bei uns in Deutschland lebt eine Art der Gattung: Climacium dendroides (Hedwig) Weber & Mohr, 1804, das als „Bäumchen-Leitermoos“ bezeichnet wird. Bisherige Beobachtungen zeigen, dass die Pälmchen im Halbschatten ihr wunderschönes Olivgrün beibehalten. Bei starkem Licht neigen sie allerdings zur Verfärbung ins Rötliche oder Bräunliche. Nach einigen Beobachtungen haben Zwerggarnelen („Blue Pearl“ und „Yellow“) die Pälmchen „zum Fressen gern“. Mit Bienengarnelen soll es keine Probleme geben.

Fantasievolle Bilder spuken mir durch den Kopf – wie wird es wohl aussehen, wenn sich meine Corybande nach dem Mückenlarvenmahl mit kugelrundem Bauch im Schatten einer kleinen Palmenoase zur gemeinschaftlichen Ruhepause begibt?

Eine weitere Rarität, die wohl zu den zehn teuersten Aquarienpflanzen weltweit gehört, ist Eriocaulon sp. „Australien“. Da die vorliegenden Informationen mehr als spärlich sind und ich leider arge Schwierigkeiten mit den asiatischen Schriftzeichen habe, sei nur soviel gesagt: Die Pflanze stammt aus Australien aus der unzugänglichen Region der Kimberleys und wird, je nach Größe, im hohen zwei- oder auch dreistelligen Euro-Bereich gehandelt. Das Pflänzchen kann eine Höhe von 7 cm und eine Breite von 9 cm erreichen. Das abgebildete Exemplar ist etwa 4 ¥ 4 cm groß. Eine Düngung mit CO2 sollte die Voraussetzung für die Kultur sein, da sonst das Wachstum stark gehemmt wird.

Andreas Helmenstein

Geophagus“ cf. Brasiliensis „Arnaud“

Angehörige der Perlmutterdfresser, wie man sie im deutschen Sprachgebrauch nennt, sind derzeit nicht gerade die Lieblinge der Cichlidenszene – und trotzdem (oder gerade deshalb?!) habe ich mich riesig gefreut, als Daniel Matthäus, Raubling, sechs Jungtiere von „Geophagus“ cf. brasiliensis „Arnaud“ aus Uruguay importieren konnte. Ich musste auch gar nicht lange überlegen und nahm alle Tiere mit. Auf Nachfrage des Exporteurs Felipe Canterra stammen die Tiere aus der Laguna Arnaud in der Region Trienta y Tres („33“) im westlichen Uruguay. Bis heute misst mein größtes Exemplar etwa 15 cm, doch muss damit gerechnet werden, dass diese Perlmutterdfresser bis auf 30 cm heranwachsen können.


Männchen von „Geophagus“ cf. brasiliensis „Arnaud“. Foto: T. Weidner

Untergebracht habe ich die sechs Exemplare in einem 900-l-Aquarium mit vier verschiedenen Gymnogeophagus-Arten. Das Aquarium ist durch Wurzeln sehr stark untergliedert. Unter diesem Umständen haben sich die Tiere als relativ friedlich herausgestellt, auch wenn sie inzwischen beginnen, sich gegenseitig etwas anzustänkern. Doch das ist bisher recht harmlos. Gelaicht haben sie noch nicht, doch ich bin sicher, dass das nicht lange dauern wird, gelten doch sämtliche Perlmutterdfresser als ausgesprochen produktiv und leicht zu züchten.

Die Nomenklatur dieser Cichliden ist äußerst umstritten und unklar. Ich gehe heute lediglich davon aus, dass es sich bei „G.“ cf. brasilienis „Arnaud“ um eine unbeschriebene Art handelt, doch kann ich auch nicht ausschließen, dass dieser Cichlide in der Laguna Arnaud ursprünglich gar nicht beheimatet war, sondern hier ausgewildert worden ist. Als südlichste Art ist bisher „G.“ minutus gemeldet und beschrieben worden. Ob es sich bei „G.“ cf. brasiliensis ebenfalls um diese Art handelt, muss heute noch offen bleiben. Mal sehen, was sich demnächst noch alles darüber herausfinden lässt.

Thomas Weidner

Yunnanilus sp.

Die relativ große Gattung Yunnanilus umfasst 24 beschriebene Arten, die bisher selten importiert worden sind. Bei der hier vorgestellten, vermutlich noch unbeschriebenen Art handelt es sich um eine hübsche Neuentdeckung, die relativ einfach zu halten ist. Die ersten Importe erfolgten zusammen mit dem Perlhuhnbärbling, Celestichthys margaritatus, aus Myanmar, und zwar von der He-Ho-Ebene in der Umgebung des Ortes Hopong. Der Fundort wurde bereits in der AMAZONAS Nr. 11, S. 52, von Hans-Georg Evers vorgestellt.


Yunnanilus sp., Weibchen. Foto: M. Schlüter


Yunnanilus sp., Männchen. Foto: M. Schlüter

Anders als die meisten anderen Gattungen der Familie Balitoridae schwimmen Yunnanilus gern frei im Aquarium umher und nehmen hier auch Futter wie Artemia-Nauplien und weiße Mückenlarven  auf. Sie sind Allesfresser, die bisher jegliche tote und lebend angebotene Nahrung angenommen haben.

Die Geschlechter sind gut anhand ihrer unterschiedlichen Färbung zu erkennen. Die dominanten Männchen sind orange gefärbt, während bei unterlegenen Tieren meistens ein ockerfarbener Grundton vorherrscht.

Die Weibchen werden knapp 4 cm groß, während die Männchen mit einer Länge von 3 cm ausgewachsen sind.

Es bleibt zu hoffen, dass diese schöne Art im Aquarium vermehrt und damit verbreitet werden kann. Bei dem abgebildeten Weibchen ist der Laichansatz gut zu erkennen. Die Männchen treiben auch schon fleißig, nur die Eiablage ist bisher noch nicht erfolgt.

Michael Schlüter

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