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AMAZONAS 21, Januar/Februar 2009, Seite 43–46

Makropode, Macropodus opercularis

von Michael Kokoscha

Wenn ein Aquarienfisch den Titel „Klassiker & Evergreen“ verdient hat, dann dieser – schließlich ist der Makropode (Macropodus opercularis) der erste tropische Aquarienfisch überhaupt gewesen und damit für uns der Beginn der Warmwasseraquaristik. Wissenschaftlich war der Makropode schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen, doch im Jahr 1869 nahm ein Offizier eines französischen Schiffs etwa 100 Makropoden in einer ostchinesischen Hafenstadt an Bord, von denen 22 lebend in Frankreich ankamen. Die meisten von ihnen erhielt der Pariser Fischzüchter Carbonnier, der sie auch erfolgreich vermehrte.

In Deutschland tauchten die ersten Makropoden fünf Jahre später auf, doch mit dem für die damalige Zeit horrenden Preis von 50,– Mark pro Paar waren die Tiere noch viel zu teuer, um eine große Verbreitung zu finden. Als „Paradiesfisch“ brachte dann in den 1890er Jahren der Berliner Züchter Matte eine Kreuzung des Makropoden mit dem verwandten Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) auf den Markt und erzielte mit den prächtigen Tieren einen großen Erfolg.

Wegen seiner Schönheit und Anspruchslosigkeit konnte aber auch der ursprüngliche Makropode der sich rasch entwickelnden Aquaristik immer weitere Anhänger zuführen. Natürlich hatte seine leichte Züchtbarkeit aber auch ihre Schattenseiten. Durch ungezielte Massenvermehrung fanden sich immer mehr kümmerliche Exemplare im Angebot des Handels. So war der Makropode zwar ständig in den Geschäften präsent, hatte aber viel von seiner ursprünglichen Attraktivität verloren. Erst in den letzten Jahren sind vor allem von Mitgliedern der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL) wieder Wildfänge aus Vietnam und Ostchina importiert und in diesem Zusammenhang auch neue Macropodus-Arten beschrieben worden.


Blaue Zuchtform von Macropodus opercularis.   Foto: H.-G. Evers

Nicht zu warm pflegen!
Neben seinem Aussehen war es sicher auch seine Robustheit, die die Verbreitung des Makropoden förderte. Obwohl Warmwasserfische, vertragen die Tiere nämlich durchaus Temperaturen von 18 °C. Wildfänge von nördlichen Fundorten scheinen sogar eine kühle Überwinterung bei 12–15 °C zu benötigen, sollen sie bei guter Gesundheit bleiben. Makropoden lassen sich übrigens – zumindest den Sommer über – auch sehr gut in Gartenteichen pflegen.

Sicher hat auch das geringe Sauerstoffbedürfnis der Makropoden dazu beigetragen, dass sie sich auch in Low-Tec-Aquarien durchsetzen konnten. Sie gehören nämlich zu den Labyrinthfischen und verfügen daher mit dem Labyrinth über ein zusätzliches Atmungsorgan, mit dem sie Luft von der Wasseroberfläche veratmen können. Wie viele andere Labyrinthfische betten Makropoden ihren Laich in Schaumnester ein.


Das Schaumnest ist das Zentrum des Reviers.   Foto: H.-G. Evers

Die Larven bleiben im Schaumnest, bis der Dottersack verzehrt ist.  
Foto: H.-G. Evers

Die Paarung findet unter dem vom Männchen errichteten Nest statt, in das die Eier aufsteigen.

Das Schaumnest als Zentrum des Reviers wird von den Fischen vehement verteidigt. Das hat wiederum zu ihrem schlechten Ruf beigetragen. Allerdings spielt bei ihrem Verhalten auch die Größe des Aquariums eine Rolle. So verteidigen die Weibchen bei genügend Platz den Außenbereich des Reviers, werden aber in zu kleinen Aquarien ihrerseits von den Männchen bedrängt, wenn sie zu nah an das Nest gelangen.

Ein wenig schwierig wird es noch einmal bei der Aufzucht der Jungen, die nach dem Freischwimmen nicht mehr von den Eltern verteidigt, sondern unter Umständen sogar gefressen werden. Die Jungen benötigen anfangs sehr feines Futter (Rädertierchen, Tümpelstaubfutter, notfalls feinstes handelsübliches Jungfischfutter), bevor sie nach etwa einer Woche Artemia-Nauplien annehmen können. Da man durchaus mit einigen hundert Eiern rechnen kann, sollte man erst gar nicht versuchen, alle Jungen aufzuziehen, sondern sich auf die am schönsten geformten und gezeichneten Tiere konzentrieren.

Wer mehr über die interessante Geschichte der Makropoden lesen möchte, dem sei das Buch „Die Paradiesfische“ von Dr. Hans-Joachim Paepke empfohlen (Neue Brehm-Bücherei, Band 616).


Der „klassische“ Makropode, Macropodus opercularis  
Foto: H.-G. Evers

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