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AMAZONAS 21, Januar/Februar 2009, Seite 47–49

Auch für kleinere Aquarien geeignet – Torpedo-Zwergbuntbarsche

von Vladko Bydzovsky

Zu den südamerikanischen Fischen, die schnell ihren Weg in die Herzen der Aquarianer gefunden haben, gehören sicher auch die Zwergbuntbarsche. Es sind Fische, die in der Natur sowohl Weiß- als auch Schwarz-, Klar- oder Mischwasser bewohnen. Ein Vertreter der im Schwarzwasser lebenden Arten und gleichzeitig einer meiner Lieblingsfische unter ihnen ist der Torpedo-Zwergbuntbarsch, Taeniacara candidi.

Der Torpedo-Zwergbuntbarsch ist ein Fisch, dessen Pflege unter Aquarianern als die hohe Schule der Aquaristik bezeichnet wird, vor allem was die regelmäßige Zucht betrifft. Er ist ein idealer Aquarienbewohner, wenn man vorhat, friedliche und kleine Fische zu züchten. Man kann sicher sein, dass er alle Blicke auf sich zieht, sei es durch seinen Körperbau, seine Farbe oder auch durch seine interessante Art und Weise der Vermehrung.

Kleinode des Amazonasbeckens
Der Torpedo-Zwergbuntbarsch, Taeniacara candidi, ähnelt sehr einem ebenfalls aus dem Schwarzwasser stammenden Zwerg, dem Doppelband-Zwergcichliden, Apistogramma diplotaenia (A 128). Beide Fische besitzen torpedoförmige Körper und auch die Einrichtung der Aquarien, ihre Ansprüche an die Nahrung sowie die Wasserparameter für ihre Vermehrung ähneln sich in vielen Punkten.


Ein Pärchen von Taeniacara candidi – das Männchen mit aufgestellter Rückenflosse.   Foto: H.-G. Evers

Den ersten Bericht über Torpedo-Zwergbuntbarsche kann man schon im Jahr 1987 finden, doch dauerte es bis 1991, dass die Tiere in größerer Anzahl nach Europa gelangten. Damals besuchten Axel Schneider, Wolfgang Windisch und Uwe Römer das Gebiet des mittleren und unteren Rio Negro, wo man diese Zwergbuntbarsche in freier Natur beobachten kann. Sie brachten auch eine größere Anzahl der Fische nach Europa mit, wo ihnen später auch die Vermehrung gelungen ist.

In der Natur lebt der Torpedo-Zwergbuntbarsch in flacheren Gewässern, meistens in Schwarz- oder anderem saurem Wasser. In diesen Lebensräumen sind kaum Pflanzen zu finden und der Boden ist mit Sand und großen Mengen von Falllaub und Zweigen bedeckt. Zu den Fressfeinden der Zwergbuntbarsche gehören vor allem einige Vertreter der Raubsamler, wie Hoplias malabaricus, oder auch größere Cichliden, wie Crenicichla-Arten und andere.

Am Zusammenfluss von Rio Preto und Rio Padauri wurden von Windisch eine Leitfähigkeit von weniger als 10 µS/cm sowie ein pH-Wert von pH 4,2 gemessen, wobei das Wasser an der Stelle der Messung etwa 1,6 m tief war.

Viele Versteckmöglichkeiten
Ideal zur Pflege und Zucht der Torpedo-Zwergbuntbarsche ist ein Becken mit einem Wasserinhalt von 60–100 l, das aber auch mehr Volumen haben darf. Um ein optimales Zuhause für die Fische zu schaffen, sollte man nicht an den Versteckmöglichkeiten sparen. Je mehr Pflanzen, Wurzeln oder Tontöpfe und verschiedene

Röhren man hineingeben kann, desto wohler werden sich die Fische fühlen. Beim Einrichten sollte man aber auch ein wenig ästhetisches Gefühl walten lassen.

Eine gute Filterung, keine starke Strömung und gedämpftes Licht sorgen für ein gutes Befinden der Bewohner.

Im Wasser, das bei mir in Budweis überall aus der Leitung fließt, kann man einenpH-Wert um 6,8 messen. Liegt die Temperatur dann zwischen 25 und 26 °C, fühlen sich die Fische pudelwohl.

Natürlich hängt die Art der Pflege auch eng mit den jeweiligen Absichten zusammen. Es gibt Aquarianer, die sich nur an einem farbenprächtigen Fisch erfreuen möchten, während andere versuchen wollen, die Tiere gelegentlich zu vermehren. Professionelle Züchter möchten die Tiere regelmäßig in höherer Anzahl nachzüchten.

Wenn man die Torpedo-Zwergbuntbarsche nicht vermehren will, kann man eine Gruppe von ihnen gut in einem Gesellschaftsaquarium zusammen mit kleineren und friedlichen südamerikanischen Salmlern, wie Roten Neon, Paracheirodon axelrodi, Neonsalmlern, Paracheirodon innesi, sowie kleineren Vertreten der Gattungen Hyphessobrycon, Hemigrammus, Nannostomus, Copella, Pyrrhulina und anderen halten. So habe ich zum Beispiel mit ihnen angefangen.

Als Nachteil kann es sich aber erweisen, dass die Fische unter solchen Bedingungen an verschiedenen, vor allem bakteriellen Erkrankungen leiden können. Hier scheint es für die Zwergbuntbarsche kaum möglich zu sein, das Rentenalter zu erreichen. Wenn es ihnen aber dann doch gelingt, Junge zur Welt zu bringen, stellen gerade die scheinbar friedlichen Salmler die größte Gefahr dar, weil sie schnell dafür sorgen, dass der Nachwuchs verschwindet. Die Elterntiere sehen ihre Mitbewohnern wegen ihrer geringen Größe nicht als Gefahr an und so kommt es ihnen überhaupt nicht in den Sinn, dass gerade diese ruhige Nachbarn etwas mit dem Verlust ihrer Nachkommen zu tun haben könnten.

Will man die Zwergbuntbarsche vermehren, sollte man sich deshalb lieber für ein Art-Becken entscheiden. Hat man vor, mehrere Weibchen zusammen zu halten, sollte man ihnen genug Versteckmöglichkeiten anbieten und zwar in einem Mindestabstand von 30 cm, so dass die Fische sich nicht gegenseitig angreifen.

Mehrere Männchen im Becken sorgen immer für Probleme. Sie kämpfen ständig miteinander, bis die schwächsten langsam sterben. Am Ende bleibt sowieso nur das stärkste Tier übrig. Die einzige Lösungsmöglichkeit bietet in diesem Fall ein größeres Becken, das gut mit Pflanzen bewachsen ist und genügend Verstecke enthält.

Wichtiger als die Höhe des Wasserstands (es reichen 15–20 cm) ist die Grundfläche des Aquariums. Man muss berücksichtigen, dass jedes Weibchen sein kleines Revier verteidigt. Als Bodengrund sollte man Flusssand mit einer Körnung von 3–5 mm zu verwenden, der dann auch als Versteck für die Jungfische dient. Unter solchen Bedingungen kann auch eine erfolgreiche Aufzucht gelingen.

Für die dritte Gruppe, also für die Profis, hat sich als beste Möglichkeit zur Vermehrung der Tiere Folgendes erwiesen. Sobald die Fische geschlechtsreif sind, hält man jeweils ein Männchen mit zwei bis vier Weibchen. Dazu reicht ein 10–40 l fassendes Aquarium mit verschiedenen Verstecken aus, vorzugsweise engen Röhren, die nicht zu lang sein sollten – es genügen 4–5 cm. Wichtig ist aber ihr Durchmesser, der etwa 1 cm betragen sollte. Ähnliche Röhren benutze ich auch bei der Vermehrung von Poecilocharax weitzmani oder einigen der kleineren Harnischwels-Arten.

Hochwertiges Futter und weiches Wasser
Zu den Grundvoraussetzungen der problemlosen Vermehrung und erfolgreichen Aufzucht gehört ein abwechslungreiches and qualitativ hochwertiges Futter, das nicht zu viel Fett enthält, dafür aber reich an Ballaststoffen ist. Den auf ersten Blick so schwierigen Anforderungen entspricht Lebendfutter. Kleinkrebse wie Hüpferlinge, gelegentlich auch Wasserflöhe sind optimal.

Zur Not kann man auch Artemia-Nauplien verwenden.

Lebende oder tiefgefrorene weiße oder auch schwarze Mückenlarven sollte man nur in einer kleineren Menge anbieten. Es reicht, wenn die Fische sie ein- oder zweimal pro Woche bekommen. Gäbe man ihnen dieses Futter öfter, würden sie es ablehnen, weil es ihnen dann nicht mehr schmeckt. Flockenfutter oder Granulat werden nur selten angenommen, überwiegend dann, wenn die Fische Hunger haben und es nichts anderes gibt.

In der freien Natur leben die Torpedo-Zwergbuntbarsche im Schwarzwasser, das als sehr weich und sauer bekannt ist. Schon lange bin ich der Meinung, dass es nicht gut ist, mit den Tieren zu viel zu experimentieren und zu versuchen, sie an andere Bedingungen anzupassen. Es ist stets besser, sich nach dem Fisch zu richten. Und wie die Erfahrung zeigt, eignet sich Wasser mit einer Gesamthärte bis 5, höchstens 10 °dGH am besten.

Für die Aufzucht benutze ich das gleiche Wasser wie für die der Neonsalmler, das einen Leitwert von höchstens 20–30 µS/cm aufweisen darf, wenn es über einen Ionentauscher aufbereitet wurde. Wenn man Wasser aus freien Natur benutzen will, kann der Leitwert auch etwas höher liegen, also um 40–50 µS/cm. Unabhängig davon muss das Wasser sauer sein, miteinem pH-Wert von 5,0–5,7.

Aufzucht der Jungen
Ideal ist es für jeden Züchter, wenn er schon vorher Erfahrungen mit Salmlern und ihrer Zucht gesammelt hat, sowohl in Bezug auf Futter, Wasseraufbereitung und Pflege der Becken als auch in Hinsicht auf die Aufzucht der Jungfische, die aber bei Buntbarschen viel leichter gelingt. Es kommt darauf an, ideale Bedingungen zu schaffen, so dass sich die Fische wohlfühlen und ablaichen.

Die Elterntiere laichen in kleinen Höhlen, in meinem Fall in den oben beschriebenen Röhren, weniger in anderen Verstecken. Sie werden vom Weibchen ausgesucht, denn das Männchen ist nur dazu da, das Gelege später zu befruchten. Die weitere Arbeit übernimmt dann wieder das Weibchen. Nur manchmal, wenn die Tiere paarweise gehalten werden, kann es dazu kommen, dass das Männchen dem Weibchen bei der Pflege der Brut hilft. Sonst kümmert sich das Männchen um die anderen Weibchen oder verteidigt sein Revier.

Was die Zahl der Eier betrifft, so müssen wir mit kleineren Mengen rechnen. Meistens handelt es sich nur um ein paar Dutzend. Die Jungfische schlüpfen bei 27–28 °C innerhalb von drei Tagen und schwimmen nach weiteren vier Tagen frei. Das A und O der erfolgreichen Zucht sind gute Bedingungen für die Eltern (Wasser und Futter) und vor allem eine gute Wasserqualität für die Jungfische. Ich ziehe es vor, Naturwasser zu benutzen (aus einer Quelle 20 km von Budweis entfernt, mit 45 µS/cm und einem pH-Wert von 5,6), oder ich bereite selber Wasser auf.


Das Männchen balzt vor einem Weibchen.   Foto: V. Bydzovsky


Das Werben des Männchen kann minutenlang dauern, bis sich das Weibchen überzeugen lässt mit dem Laichen zu beginnen.   Foto: V. Bydzovsky


Die nächste Phase des Laichens, bei der sich das Paar langsam dem Laichplatz nähert.   Foto: V. Bydzovsky

Für einen geübten Salmlerzüchter ist es kein Problem, Wasser anzusetzen, das dem für Neonsalmer benötigten ähnelt. Ionentauscher sind dazu besser als Umkehrosmoseanlagen geeignet. Ich habe auf diese Weise immer bessere Ergebnisse erzielt, nicht nur bei den Cichliden, sondern auch bei den Neonsalmlern und anderen Salmlern. Je niedriger die Karbonathärte ist, desto besser. Als Anfangsfutter empfehle ich feine Artemia-Nauplien und Hüpferlinge. Wichtig ist es aber auch, das Aquarium gewissenhaft sauber zu halten!

Das Futter gebe ich in kleineren Mengen mehrmals am Tag zu und sorge sofort dafür, dass die Futterreste mit einem dünnen Schlauch entsorgt werden.

Das abgesaugte Wasser wird gleich durch frisches ersetzt. Das kann wiederum ein bisschen härter als das Aquarienwasser sein. Meistens benutze ich einen Tag lang abgestandenes Leitungswasser. Täglich sollte man nicht mehr als einen halben Liter wechseln, weil nicht nur die Jungfische, sondern auch die erwachsenen Tiere es nicht gern haben, wenn es zu Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers kommt.

Literatur
Bydzovsky, V. (2002): Ihr Hobby Neonsalmler. Ruhmannsfelden.

Bydzovsky, V. (2003): Jihoamericke cichlidky. Akvarium zive 2 (4): 52–59.

Linke, H., & W. Staeck (1995): Amerikanische Cichliden I. Kleine Buntbarsche. Melle.

Mayland, H.-J., & D. Bork (1997): Zwergbuntbarsche. Südamerikanische Geophaginen und Crenicarinen. Hannover.

Staeck, W. (2003): Südamerikanische Zwergbuntbarsche. Cichliden-Lexikon. Teil 3. Ettlingen.

Schmettkamp, W. (1992): Zwergcichliden-Porträt. Apistogramma diplotaenia Kullander, 1987, der Doppelband-Zwergcichlide. Das Aquarium Nr. 281: 19.

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