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AMAZONAS 31, September/Oktober 2010, Seite 8–12

Der Belo-Monte-Staudamm am Rio Xingu – ein vorprogrammiertes Desaster

von Janne Ekstrøm
Übersetzung von H.-G. Evers

Nach vielen Jahren des Protests gegen den Belo-Monte-Staudamm am Rio Xingu ist der Kampf offenbar verloren und der brasilianische Präsident Lula geht als scheinbarer Sieger aus den vielen Gefechten hervor. Doch in diesem Kampf gibt es nur Verlierer.

 


„Não queremos Belo Monte“ – Wir wollen Belo Monte nicht! – Protest gegen den Staudammbau der Umweltschützer in Altamira. Movimento Xingu Vivo Para Sempre

Nur zwei Konsortien hatten sich am 20. April 2010 an der öffentlichen Ausschreibung zum Bau des gigantischen Belo-Monte-Staudamms am mittleren Rio Xingu beteiligt: Norte Energia und Belo Monte Energia, an der die staatseigene Eletrosul und private Firmen wie der Minengigant Vale do Rio Doce beteiligt sind. Rein private Investoren, wie Camargo oder Odebrecht, hatten von einer Beteiligung abgesehen, weil es ihnen nicht sicher genug erschien, dass der Staudamm jemals genügend Gewinn abwerfen würde. Die halbstaatlichen Konsortien haben sich dennoch bemüht.

Das Konsortium um Norte Energia, bestehend aus der staatlich kontrollierten CHESF (Companhia Hidro Eléctrica do São Francisco mit 49,8 % Anteil) und acht privaten Gesellschaften (50,2 %) hat zum endgültigen Preis von 77, 97 Real pro MWh (= Megawattstunde, also die Energiemenge, die ein Gerät von 1000 Watt Leistung in einer Stunde verbraucht) den Zuschlag bekommen. Norte Energia hat sich dabei verpflichtet, für Umwelt- und soziale Schäden Ausgleichszahlungen in Höhe von 3 Milliarden Real (etwa 1,36 Milliarden €) zu leisten. Der Wasserkraft-Staudamm bei Belo Monte soll 2015 bereits betriebsfertig werden und das gesamte Projekt 2019 abgeschlossen sein.


Die Karte zeigt die geplanten Staudämme im Rio-Xingu-Becken. Die beeindruckende Größe wird deutlich, wenn man den Fluss in den Umriss Frankreichs einpasst (unten links). Das gesamte betroffene Gebiet macht einen großen Teil des Amazonas-Beckens aus (Mitte links).
Karte: N. Nadolny nach den Vorlagen der Verfasser

 

Die Bedenken der großen privaten Investoren sind berechtigt. Die weit abgelegene Gegend treibt die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur und die dafür notwendige Logistik in utopische Höhen. Hinzu kommt der Bedarf an etwa 40000 Arbeitskräften, von denen die meisten von weither geholt werden müssen. Auch in deren Gefolge werden weitere Menschen in diese Gegend ziehen, so dass mit geschätzten 100000 Seelen gerechnet wird.  Man schätzt, dass die Bevölkerung von Altamira, Belo Monte und Brasil Novo, den kleinen Gemeinden in der Umgebung, wohl um das Doppelte ansteigen wird. Auch hier sind die Folgen für die Umwelt unabsehbar.

Der wohl wichtigste Grund, von einem Mitbieten abzusehen, war jedoch für die privaten Firmen, dass während der in der Regel vier bis fünf Monate im Jahr andauernden Niedrigwasserzeit kaum genügend Wasser im Fluss vorhanden sein wird, um ausreichend Elektrizität produzieren zu können (nur etwa 10–30 % der Gesamtkapazität). Die geplante Produktion von 11200 MW wird garantiert nicht erreicht werden. Aufgrund der starken Wasserstandsschwankungen zwischen Hoch- und Niedrigwasserzeit wird sie mit etwa 4480 MW nur an die 40 % erreichen.

Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts können laut Meinung einiger prominenter Wirtschaftsexperten durchaus an die 50 Milliarden Real betragen, dreimal mehr als vom brasilianischen Staat öffentlich veranschlagt. Die gesamte Investition ist derart riskant, dass sich keine rein privaten Investoren fanden. Durch Steuererleichterungen von 75 % und weitere finanzielle Anreize – 4 % Zinsen auf 30 Jahre für staatliche Kredite über 80 % der Gesamtkosten – hat die brasilianische Regierung nunmehr diese Bedenken beiseite gewischt. Um sich einen alten brasilianischen Traum aus den 1980er Jahren zu verwirklichen, wird dieses Projekt auf Kosten der brasilianischen Steuerzahler durchgeboxt.


Der Rio Xingu unterhalb von Altamira zur Trockenzeit. Dieser Flussteil gehört zur durch den Damm abgetrennten Flussschleife und wird nach dem Bau kaum noch oder gar kein Wasser mehr führen. Foto: H.-G. Evers

Warum?

Man muss weit zurückblicken, um die Motivation der Regierung Lula zu verstehen. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren des letzten Jahrhunderts war Brasilien mit etwa 80 Milliarden US-Dollar einer der am stärksten verschuldeten Staaten der Welt. Um die reichen Ressourcen Amazoniens nutzen zu können und sich so von dem Schuldenberg zu befreien, wollte die brasilianische Regierung das damals noch fast unberührte Amazonien erschließen. Brasilien ist reich an Bodenschätzen wie Eisen, Kupfer, Bauxit, Gold, Diamanten und vielen anderen Rohstoffen. Die Nutzung von Wasserkraft für diesen damals täglich eine Million Barrel Öl importierenden Staat schien die Lösung dieses Problems zu sein. Man veranschlagte damals ein Energiepotenzial von 100000 MW für den Amazonas und seine Zuflüsse. Das entsprach fünf Millionen Barrel Öl pro Tag.

Der Tucurui-Damm am unteren Rio Tocantins ging 1984 ans Netz. Heute, 25 Jahre später, ist das Land um ihn herum verwüstet und von Aluminiumwerken, Minen und anderer Industrie übersät, die den Hauptteil der gewonnenen Energie nutzen. Tatsächlich verbrauchen die neun größten Gesellschaften 25 % der gesamten Energieproduktion in Brasilien.

Weitere Dämme folgten, und man könnte meinen, diese Entwicklung sei ein Erfolg gewesen. Brasilien hat in den 1990er Jahren und nach der Jahrtausendwende einen Großteil seiner Schulden zurückzahlen können und besitzt heute eine der leistungsfähigsten Industrien der Welt. Schaut man sich dagegen die Umweltzerstöungen an, so wird dieser Erfolg relativiert. Auch die wirtschaftliche Seite muss genauer betrachtet werden. So ist der Preisindex in Brasilien zwar durchaus mit dem von Europa heutzutage zu vergleichen, doch immer noch ist das Pro-Kopf-Einkommen sechs- bis siebenmal niedriger. Die katastrophalen Folgen für die Umwelt Brasiliens sind jedermann bekannt und machen klar, dass Industrie und Ökonomie Brasiliens gewaltige Sprünge gemacht haben, die Lebensqualität der Menschen aber nicht besser geworden ist. Der Großteil der Bevölkerung ist arm und der Regenwald schrumpft jedes Jahr in erschreckendem Maße.

Internationale Verstrickungen

Doch die gesamte Situation ist komplizierter und nicht allein auf Brasilien zu fokussieren. Auch andere Nationen haben das Potenzial Amazoniens erkannt. Gäbe es die natürlichen Ressourcen nicht, wäre der Regenwald noch nahezu unberührt geblieben. Beispielsweise Norwegen hat beachtliche Summen an die Brazilian Development Bank gezahlt. Diese Bank erhält Spenden von vielen Regierungen, großen Naturschutzorganisationen und privaten Firmen, um Umweltschutzprojekte im amazonischen Regenwald zu finanzieren, die Treibhauseffekt und Holzeinschlag reduzieren sollen.

 
In den Felsbiotopen der Stromschnellen des unteren Xingu-Abschnitts unterhalb von Belo Monte leben viele wunderschöne Harnischwelse, wie dieser Hypancistrus sp. L 236. Foto: H.-G. Evers

Gleichzeitig investiert Norwegen fleißig in den Ausbau von Bauxitminen und Aluminiumwerken in eben jenen Regenwaldgebieten Amazoniens. Norsk Hydro ASA, drittgrößter europäischer Aluminiumproduzent und im Besitz Norwegens, hat gerade ein Abkommen unterzeichnet, das Aluminiumgeschäft von Vale do Rio Doce in Brasilien zu übernehmen. Norsk Hydro ASA wird die weltgrößte Bauxitmine im Bundesstaat Para in Paragominas erhalten und somit 91 % von Alunorte erlangen, dem weltgrößten Aluminiumproduzenten. Gleichzeitig erhält Norsk Hydro ASA 51 % am Albras-Aluminiumwerk und 81 % Mehrheit am CAP (Companhia de Alumina do Pará)-Projekt.

Im Zuge der neuen Partnerschaft mit Vale do Rio Doce plant Norsk Hydro das neue große CAP-Werk. Dieses Werk in Barcarena wird nur wenige Kilometer entfernt von Alunorte Alumina errichtet werden. Auf der Webseite von Norsk Hydro wird verkündet, dass damit die Bedeutung der Region für die Weltproduktion von Aluminium gewaltig angehoben werden wird. Das Projekt wird 2,2 Milliarden US-Dollar kosten und im Jahre 2011 betriebsbereit sein. Ein 244 km langes Förderband soll das Bauxit von den Minen in Paragominas in Para heranschaffen.

Schaut man sich diese Verwicklungen an, versteht man immer besser, weshalb es kaum noch möglich sein wird, das Belo-Monte-Staudammprojekt zu stoppen. Ungeachtet der gewaltigen Kosten und der zweifelhaften Produktivität wird der Staudammbau forciert. Brasilien bricht seine eigenen Gesetze und die internationalen Rechte der indigenen Völker. Norwegen spielt ein doppeltes Spiel, in dem es auf der einen Seite spendet, um sich auf der anderen Seite immens zu bereichern. Die norwegische Regierung weiß sehr genau, dass der gewaltige Energiebedarf für das gigantische CAP-Projekt nur durch Wasserkraft zu realisieren ist. 40 % der Produktionskosten von Alumium entfallen auf den Energiebedarf zur Herstellung. Die traurige Wahrheit ist, dass Norwegen, eines der reichsten Länder der Erde, diese Einnahmen nicht wirklich braucht. Und die brasilianische Regierung lässt dafür das Land ausbluten.


Moenkhausia heikoi
lebt in den Zwischenräumen der Felsinseln des Rio Iriri und Rio Xingu. Foto: H.-G. Evers

Der Belo-Monte-Damm wird gebaut, um die Industrieanlagen im Amazonasgebiet mit billiger Energie zu versorgen.

Damit ist das Schicksal des Rio Xingu besiegelt. Die Fischwelt des gesamten Flusses wird überaus stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen der Umgebung anderer, bereits verwirklichter Staudammprojekte belegen ganz klar, dass die Entwaldung stark zunimmt.

Grüne Zertifizierungen

Perfiderweise bedient sich die Industrie mittlerweile seriöser Umweltschutzorganisationen und Universitäten, um mittels sogenannter Umweltzertifikate oder für viel Geld in Auftrag gegebener Forschungsprojekte nachzuweisen, dass beispielsweise die Sojaproduktion durchaus umweltfreundlich vonstatten geht.

Die Firmen lassen sich gern grüne Zertifizierungen verleihen, dass sie durchaus umweltbewusst produzieren, und spannen dafür eben jene NGOs für ihre Zwecke ein.

Die beiden Beispiele der Firmen Alcoa und Cargill sollen diese neue Masche hier belegen.

Alcoa zahlt jährlich die Summe von 100000 US-Dollar an Conservation International, um einen Trust zum Schutz von 10 Millionen Hektar Regenwald in der Gegend von Juruti zu finanzieren. Cargill heuerte Nature Conservancy an, um sich belegen zu lassen, dass die Sojafarmer um Santarém den Regenwald nicht anrühren. Von 383 Farmen wurden bislang 155 zertifiziert und dürfen behaupten, den Regenwald Amazoniens nicht zu dezimieren. Das ist der blanke Hohn, war das bebaute Gebiet doch vorher unberührter Regenwald.

Nach wie vor nimmt die Fläche des Regenwalds rapide ab. Die großen Firmen heften sich diese Zertifikate ans Revers, um damit für Außenstehende als umweltdienlich zu erscheinen. So werden grüne Zertifizierungen vom Big Business missbraucht. Diese Naturschutzorganisationen sollten sich fragen, ob derartige Grüne Zertifizierungen tatsächlich ihrer Sache dienen. Vielleicht sollten die Zertifikate gestaffelt werden, um besser zu dokumentieren, was da eigentlich zertifiziert wurde? Sonst sind sie nichts anderes als Geschäftemacherei, wenn Regierungen und Firmen sie für ihre Zwecke missbrauchen.


Die Indios des Xingu-Tales verlieren ihren von der brasilianischen Regierung gesetzlich zugesicherten Lebensraum. In Altamira protestierten sie gegen die Missachtung ihrer Rechte. Foto: L. K. Feder

Der Damm und die Folgen

Die absehbaren Folgen für die Umgebung der zur Ausschreibung gekommenen zwei Dämme zwischen Altamira und Belo Monte sind schon genannt worden. Diese Dämme allein werden in etwa eine Fläche von 400 bis 500 km² überfluten. Allein das Ausschachten der beiden jeweils 75 km langen Kanäle zwischen Altamira und Belo Monte, an deren Enden die Turbinenröhren installiert werden sollen, wird mehr Erdarbeiten erfordern als einst für den Bau des Panamakanals nötig waren. Eine Flussschleife von etwa 100 km Länge wird danach kaum oder gar kein Wasser mehr führen, so dass es zum Aussterben von mindestens 15 der dort endemischen Fischarten führen, die bislang nur von diesem Abschnitt des Rio Xingu bekannt geworden sind.

Um sich jedoch den Umfang des gesamten geplanten Staudammprojekts vor Augen zu führen, muss man weiter denken. Das betroffene Gebiet umfasst eine Gesamtfläche, die ähnlich groß wie die Länder Frankreich oder Schweden ist. Denn um die Turbinen von Belo Monte immer ausreichend mit Wasser zu versorgen, muss an weiteren Stellen des oberen Rio Xingu eine Reihe weiterer Dämme zur Wasserbereithaltung gebaut werden. Die bislang geplanten Staudämme sind auf der beigefügten Karte eingezeichnet. Es ist leicht zu erkennen, dass der gesamte Flusslauf betroffen sein wird. Andernfalls liefert der Belo-Monte-Damm über das Jahr nur 40 % der eigentlichen Kapazität an Strom und wäre ein finanzielles Desaster. Die Kosten für die weiter flussauf geplanten Dämme sind nicht im jetzigen Budget von 19 bis 30 Milliarden Real enthalten.

Das gesamte Flussgebiet des Rio Xingu ist bislang kaum erforscht. Aktuelle vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 600 Fischarten aus. Viele von ihnen sind endemisch, also in ihrer Verbreitung auf den Rio Xingu und seine ebenfalls betroffenen Zuflüsse, wie den Rio Iriri, beschränkt. 40–50 % dieser Fischarten sind wissenschaftlich unbeschrieben. Die Aquaristik kennt eine Vielzahl dieser Arten, gab es doch bis vor einigen Jahren einen florierenden Export von Aquarienfischen aus dem Gebiet, der nicht wenigen Familien in Altamira ein gutes Einkommen sicherte. Der Fang ist jedoch mittlerweile aus Gründen des Umweltschutzes stark eingeschränkt worden, so dass viele Fischer heute lieber illegal nach Gold suchen.

Die weiter flussauf geplanten Dämme werden jedoch ein riesiges Gebiet mit nach wie vor intaktem Regenwald sowie die dort lebenden Indianer schwer treffen und die Region binnen weniger Jahre in eine öde Savannenlandschaft verwandeln. Belo Monte ist nur der erste Schritt zur Zerstörung und Veränderung des gesamten Lebens am Rio Xingu.

Das nächste Flussbecken, das sich die brasilianischen Planer schon vorgemerkt haben, ist das des westlich benachbarten Rio Tapajós. In 50 Jahren wird man die Karten des Amazonasgebietes wohl neu zeichnen müssen, denn einen Regenwald wird es dort in Zentralbrasilien nicht mehr geben.

Zu einer Zeit, in der globale Erwärmung ständig Thema ist und die Nationen sich bemühen, die Emissionen deutlich zu reduzieren, baut Brasilien auf Wasserkraft. Belo Monte soll helfen, die brasilianischen Kohlendioxid-Emissionen zu verringern. Brasilien hat sich verpflichtet, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 38 % zu reduzieren und argumentiert mit der umweltfreundlichen Wasserkraft als erneuerbarer Energie. Wenn die Dämme am Xingu gebaut werden, so hat das allerdings aufgrund des verschwundenen Walds und der Faulgase abgesoffener Bäume in den ersten zehn Jahren einen viermal höheren (und in weiteren zehn Jahren einen zweifach höheren) CO2-Ausstoß zur Folge als nach dem Bau einer vergleichbaren, modernen Anlage zur Verwertung fossiler Brennstoffe anfallen würde.


Moenkhausia
sp. aus den Felsbiotopen des Rio Tapajos ist das Pendant zu Moenkhausia heikoi. Diese unbeschriebene Art ist genau wie M. heikoi ebenfalls an ein Leben im stark strömenden Wasser angepasst. Der Tapajos steht als nächster Fluss auf den Planungslisten. Foto: H.-G. Evers 

 

Gibt es Alternativen?

Der WWF in Brasilien hat schon 2007 eine Studie herausgegeben, die belegt, dass Brasilien mit der Verbesserung vorhandener Industrien bis zum Jahr 2020 40 % des Energiebedarfs einsparen könnte. Weite Transportwege, verschwenderischer Umgang in vielen industriellen, aber auch privaten Haushalten und defekte, kaum profitable Anlagen sind der Grund. All das ließe sich recht einfach beheben, würde zu enormen Einsparungen führen und wäre auch finanziell weitaus sinnvoller als der Bau riesiger Staudämme in entlegenen Gebieten. Der Wald bliebe bestehen und könnte zusammen mit den verbesserten Industrien zu einer gewaltigen Einschränkung der Emissionen beitragen.

Auch Wasserkraft ließe sich mittels umweltfreundlicher Technologie wesentlich besser nutzen. „In Stream Energy Generation Technology“, kurz IEGT, basiert auf dem Prinzip von Wassermühlen, die von der Strömung in Flüssen, künstlichen Kanälen, Gezeitenzonen oder Meeresströmungen angetrieben werden. Diese Turbinen nutzen allein die Wasserbewegung. Es werden keine riesigen Dämme benötigt und der Verlauf eines Flusses kaum beeinflusst. Die rotierenden Mühlenflügel sind langsam genug, um Fische nicht zu verletzen. Einige Umweltschutzorganisationen, zum Beispiel River Keepers in New York, zweifeln die Umweltverträglichkeit jedoch mangels wissenschaftlicher Nachweise noch an. Dennoch sind diese Turbinen weitaus umweltverträglicher als die Stauung eines ganzen Flusses und die Flutung riesiger Flächen. IEGT kann nahe gelegene Industrien auf recht umweltschonende Weise mit Energie versorgen. Dabei käme es laut Brasiliens WWF „Power Switch Scenario“ zur Schaffung von acht Millionen neuer Arbeitsplätze im Vergleich zu 2000 verbleibenden Arbeitsplätzen nach Fertigstellung des Belo-Monte-Damms.

Weitere Technologien zur schonenden Nutzung von Wasserkraft sind HS1000™ der Firma Hammerfest Strøm oder auch das Prinzip der Blue Energy, einem Joint Venture von World Energy Research. HS1000™ basiert auf der Technologie des Prototyps HS 300. HS1000™ wird im Jahr 2011 im European Marine Energy Centre (EMEC) voll betriebsfertig sein. Der Betreiber ist Hammerfest Strøm UK Ltd. Im Jahre 2009 zeichnete Blue Energy ein Joint Venture mit World Energy Research. In drei Phasen wird dieses Projekt am Ende eine Produktion von 200 MW erreichen.

Während der letzten Jahre sind viele verschiedene Technologien zum umweltfreundlichen Einsatz von Wassermühlen entwickelt worden. Die alten, überkommenen Technologien wie der Bau von Staudämmen gehören der Vergangenheit an und sind nicht mehr zeitgemäß.

Der Amazonas ist 6868 km lang. Die Menge Wasser, die der Fluss an seinem Ende in den Atlantischen Ozean entlässt ist enorm: bis zu 300000 m³ Wasser pro Sekunde (Regenzeit). Mit dem Einsatz neuer Technologien wie beispielsweise der Unterwassermühlen von Hammerfest wäre es theoretisch möglich, den gesamten momentanen Energiebedarf auf der Erde zu decken, ohne dass man überhaupt etwas davon oberhalb des Waserspeigels sehen würde. Die Hammerfest-Technologie gründet auf der Gezeitenströmung. Die Wasserkraft des gewaltigen Amazonas wäre ein noch viel besser zu nutzender Energielieferant.

Fragen

Was treibt die aktuelle Regierung Brasiliens an, die irrwitzigen Staudammprojekte so schnell durchzuboxen? Sehen die Verantwortlichen nicht die Zukunft ihres Landes, das in wenigen Generationen wieder verarmen wird, wenn weiterhin ein derartiger Raubbau betrieben wird? Zukünftige Generation werden diese Fragen stellen. Und sie werden sich wundern, warum nicht auf bereits vorhandene, bessere Technologien zurückgegriffen worden ist. Brasilien hat alle Möglichkeiten in der Hand, eine umweltverträgliche Technologie zu nutzen und die industrielle Entwicklung des Landes langsam und für viele Folgegenerationen stabil aufzubauen.

Wenn sich die Regierung Norwegens wirklich sicher ist, sich für den Erhalt des Amazonasgebietes und die weltweite Reduzierung von Emissionen einzusetzen, sollte sie sich nicht so stark für den Ausbau der Aluminiumindustrie in Amazonien engagieren. Diese Technologien basieren auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der in Amazonien lebenden Menschen. Firmen wie Alstom, ABB, Voith Siemens und Vatech Andritz riskieren ihr gutes Image zu verlieren, wenn sie in dieses Megaprojekt investieren. Private und staatliche Banken brechen ihre Versprechen, die sie im Green Protocol gegeben haben. Naturschutzorganisationen und wissenschaftliche Institute sollten sich nicht vor den Karren spannen lassen, um durch ihre Arbeit Freibriefe für die Umweltzerstörer zu erstellen.

Alle hier angegebenen Informationen sind leicht im Internet und in den Veröffentlichungen der brasilianischen Regierung sowie der beteiligten Industrie zu finden.

Das Honorar für Text und Bilder dieses Beitrages werden der Umweltschutzorganisation International Rivers gestiftet.

 

Spendenlink: http://tinyurl.com/irbelomonte

Literatur:

Sousa Júnior, W. C., & J. Reid (2010): Uncertainties in Amazon hydropower development: risk scenarios and environmental issues around the Belo Monte dam. Water Alternatives 3 (2): 249–268.

Internet:

http://www.internationalrivers.org

http://www.survivalinternational.org/about/belo-monte-dam

http://www.euinfrastructure.com/news/belo-monte-dam/

http://www.water-alternatives.org

EU

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+WQ+E-2010-1242+0+DOC+XML+V0//EN

http://www.europarl.europa.eu/sides/getAllAnswers.do?reference=E-2010-1242&language=EN

Norsk Hydro

Vale do Rio Doce

Watermills

Instream Energy Generation Technology, IEGT.

Hammerfest Strøm

Blue Energy

Wind power

http://www.windpowermonthly.com/technology/news/login/1016612/

http://www.renewbl.com/tag/sinovel

Sinovel

 

Liste der bislang bekannten Fischarten, die durch den Bau unmittelbar betroffen sind

Aequidens michaeli
Anostomoides passionis
Astaynax dnophos
Moenkhausia heikoi
Ossubtus xinguense
Parancistrus nudiventris
Pituna xinguensis
Plesiolebias altamira
Simpsonichthys reticulatus
Teleocichla centisquama
L013 Peckoltia sp.
L014 Scobinancistrus aureatus
L015 Peckoltia vittata
L017 Hopliancistrus sp.
L018 Baryancistrus sp.
L019 Baryancistrus sp.
L020 Oligancistrus sp.
L046 Hypancistrus zebra
L047 Baryancistrus sp .
L048 Scobinancistrus sp.
L066 Hypancistrus sp.
L075 Peckoltia sabaji (Xingu Population)
L081 Baryancistrus sp.
L082 Ancistrini sp.
L172 Ancistrini sp.
L173 Hypancistrus sp.
L174 Hypancistrus sp.
L177 Baryancistrus sp.
L236 Hypancistrus sp.
L250 Hypancistrus sp.
L252 Ancistrini sp.
L253 Scobinancistrus sp.
L254 Spectracanthicus sp.
L258 Parancistrus sp.
L315 Spectracanthicus sp.
L333 Hypancistrus sp.
L353 Oligancistrus sp.
L354 Oligancistrus sp.
L399 Hypancistrus sp.
L400 Hypancistrus sp.
Hypancistrus sp. „Unterer Xingu“ Artenkomplex
Leporacanthicus heterodon 

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