// Startseite  // Blog-Übersicht  // Kontinental-Blog 
Ausflug in eine andere Welt – Myanmar
09. März 2010 09:00 Uhr - von 

Martin Grimm

Der erste Teil erzählt von der Zeit zwischen dem 21. und 24. Februar 2010.

„Hat er sich verlaufen? Bei der Eingabe des Reiseziels zu viel getrunken?“ Gedanken, die Leute äußerten, als sie von meinem nächsten Reiseziel hörten.

Nein, es war Absicht. Nach einigen Reisen nach Ostafrika musste es mal etwas anderes sein. Von Asien schwärmen sowieso immer alle, nach Thailand und Sri Lanka fahren alle – wo also hin? Myanmar ist touristisch ganz gut erschlossen, aber auch nicht zu überlaufen, kurzum ein durchaus interessantes Land. Fische soll es da auch noch geben. Zum Glück nicht nur so buntes Zeug, ein paar hübsche Silberlinge werde ich wohl auch ausgraben können.

Darf man in eine Militärdiktatur in den Urlaub fahren?

Es folgten einige Diskussionen im Kreis der entscheidungsfähigen Reiseteilnehmer (zwei). In eine Militärdiktatur in den Urlaub fahren? Unterstützt man da die Regierung? Oder die Bevölkerung? Bringt Publicity Vor- oder Nachteile? Überhaupt irgendetwas? Macht es einen Unterschied, ob wir dahin fahren oder nicht? Jegliche Überzeugungsarbeit hätte ich mir eigentlich sparen können. Eva kam irgendwann aus dem Nachtdienst nach Hause – „wir müssen dahin! Super toll, keine Kriminalität, Pagoden, Tempel, Buddhismus.“ Ein Arbeitskollege hatte ihr Fotos seiner Reise gezeigt. Warum eigentlich reden? Wir entschieden uns letztlich dafür, soweit es geht, keine staatlichen Einrichtungen zu nutzen. Ein durch Zeitmangel nur grober Plan sah eine natürlich primär touristisch, nicht aquaristisch geplante Reiseroute vor. Ein paar Tage Strand, Inlé, Pagoden in Bagan, Rückflug aus Yangon. Absichtlich wünschte ich mir den Strand am Anfang – zum einen, um lange Packzeiten für die Fische zu vermeiden, zum anderen, um nach langem Arbeitsstress erst einmal Ruhe zu haben.

An Fischfangutensilien nahm ich meine übliche Ausrüstung mit – Klapprahmenkescher mit (leider) drei Millimeter Maschenweite, Falteimer, breathing bags zum Transport, ein Moskitonetz. Eine Ausstattung, mit der man sicher nichts Gewaltiges fängt, auch keinen ganzen See ausräumen oder schnell schwimmende Freiwasserfische sammeln kann – aber es reicht.

Als klassische Afrikatouristen wollten wir nur einen Flug buchen und dann vor Ort alles ad hoc entscheiden. Wir waren allerdings nicht böse, nur ein wenig genervt, als wir am Flughafen vom Agenten eines örtlichen Reisebüros abgefangen wurden, der uns erklärte, dass er alles preiswerter als individuell und sofort organisieren könnte. Gar nicht mehr böse waren wir über den angenehmen Preise für Unterkünfte, Mietwagen und Inlandsflüge. Und richtiggehend positiv überrascht – weil nicht gewöhnt – waren wir, als auch noch alles reibungslos funktionierte und keiner ernsthaft erwartet hätte, dass wir Trinkgeld geben sollten.

 

Ngwe Saung – Strand am Golf von Bengalen

Keine Sorge, ich werde keinen Bericht über Muscheln am Sandstrand abliefern. Hauptsächlich geht es um Fische.

Der Strand von Ngwe Saung ist endlos und leer

Der bekannteste Strand Myanmars ist sicher Ngapali Beach. Dort kann man direkt hinfliegen, man findet gleich gesinnte Strandurlauber und ist sicher nicht allein beim Feiern. Auch wenn das Publikum nicht das ist, was wir im Flieger ab Bangkok kennen gelernt haben, war das nicht unsere Vorstellung. Auf Rainer Hoyers – erfahrener Myanmar-Reisender und Vereinsvorsitzender in Leipzig – Empfehlung fuhren wir nach Ngwe Saung, im südlichen Teil der Bucht. Es gibt ein Resort am anderen und morgens beim Frühstück haben wir sogar mehr als noch zwei Gäste gesehen. Der 15 Kilometer lange Strand unterscheidet sich hauptsächlich durch kühleres Wasser und weniger Krabben von den tansanischen Stränden. Auch ein direkt vorgelagertes Riff zum Schnorcheln gibt es nicht; die vorgelagerten Inseln waren zu weit für unsere Motivation und die kleinen Boote bei Wind.


Seeschlange an der „Liebesinsel“, einer kleinen Insel am Strand

Entlang der Straße fließt ein kleiner, Brackwasser führender Bach. Schon von oben sahen wir Fische, die sich dann allerdings sehr schwer fangen ließen – Aplocheilus panchax, Schlammspringer und einige Meerwasserarten, die ich leider nicht kannte. Mir war nicht klar, dass Aplocheilus in derart salzigem Wasser vorkommen. Ich hatte keinen Dichtemesser mit; Eva meinte aber, es schmecke „sehr salzig“. Mit ihren zwei Leuchtpunkten zwischen den Augen beziehungsweise vor der Rückenflosse sind die Fische von oben eine wahre Pracht; von der Seite geben sie wohl nicht so viel her. Die Mangrovenkrabben leuchteten weithin sichtbar rot, hatten aber eine hohe Fluchtdistanz.


An dem kleinen Bach am Dorf gibt es leuchtend rote Mangrovenkrabben

18 Kilometer landeinwärts gibt es ein Elefantencamp, auf dem man gegen einen kleinen Betrag jugendliche Elefanten füttern und reiten kann. Jugendlich deshalb, weil mir die achtjährigen Tiere gerade bis zum Kopf reichten.

Suchbild mit Fisch...


...Periophthalmus

Im Bach am Camp, durch die Trockenzeit recht flach, gab es auch Aplocheilus und sicher einige andere Arten, gefischt haben wir hier aber nicht. Auf dem Rückweg allerdings fuhren wir über einige ausgetrocknete Bachbetten. Im einzigen Wasser führenden Bach gab es reichlich Fische, die ebenfalls für Meerwassereinfluss sprachen: Aplocheilus panchax, Schlammspringer, Kugelfische, Seenadeln, Grundeln, Dermogenys und schnell schwimmende Barben sowie wahrscheinlich Oryzias, die ich aber nicht fangen konnte, weil sie zu schnell waren. Mitgenommen habe ich nichts, schließlich habe ich keinen Platz für Brackwasserfische und es folgten noch elf Tage Urlaub. Garnelen gab es auch, nein falsch: Garnelen gibt es in jedem Tümpel. Nicht nur ein paar, es gibt nervend viele. Wenn man mal auf Fischfang war und einzelne kleine Fischchen zwischen 20 bis 100 Garnelen aller Größe und Farbe pro Netzzug aussortieren durfte, wird man zum Garnelenhasser. Macrobrachium, Neocaridina, Caridina – eigentlich völlig egal, nur raus aus dem Netz müssen sie irgendwie, ohne die richtige Beute zu verletzen oder verlieren.


Aplocheilus panchax


Am Bach in den Bergen: Grundel


Dermogenys


Seenadel

Die Reise nach Ngwe Saung und zurück fand mit dem Mietwagen statt. Die 250 Kilometer führen einmal quer über eine Landzunge, die im Ayeyarwady-Delta endet. Sie wurde durch den Zyklon 2008 zu großen Teilen zerstört und wird jetzt nach und nach saniert. Nicht vergessen sollte man, dass dies hauptsächlich durch Zwangsarbeit geschieht. Junge Frauen und Kinder schleppen Steine, erhitzen Teer in offenen Fässern über Holzfeuer – bei Temperaturen teilweise über 30 °C. Auf der Hinfahrt werden vier oder fünfmal unsere Pässe kontrolliert; ich fühle mich unangenehm beobachtet, habe fast Paranoia. Auf der Rückfahrt gibt es keine weiteren Kontrollen, im Rest des Urlaubs auch nicht, was meine schlechte Stimmung diesbezüglich deutlich besserte.


Tetraodon 


Straßenrestaurant auf dem Weg zurück:


im Garten: Nymphaea...


...und Channa

 

Diese Region ist die wohl dichtest besiedelte Region des Landes. Aus dem Auto heraus wirkt dieses Delta, als gäbe es keinen Quadratmeter ungenutzte Fläche. Wenn die Effizienz auch beeindruckend ist – sie war auch beängstigend. Keine Wildtiere, keine Brachfläche. Reisfelder, Fischzucht, Dörfer. Im Vergleich zu Afrika deutlich weniger Singvögel, so gut wie keine tags sichtbaren Reptilien. Ein echter Minuspunkt.

 
Kommentar schreiben

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Kommentare
keine Kommentare vorhanden.
 

Startseite | Verlag | Impressum / AGB
© 2008 - 2010 Natur und Tier - Verlag GmbH · An der Kleimannbrücke 39/41 · D-48157 Münster